ZEIT ONLINE: Frau Naujoks, Sie sind mit 28 Jahren bereits Deutschlands erfolgreichste Pokerspielerin. Wie lange spielen Sie schon?

Sandra Naujoks: Seit fünf Jahren. Durch Zufall bin ich im Internet auf eine Pokerseite gestoßen und habe schnell gemerkt: Das kann ich. Kurz darauf saß ich im Casino. Und dann ging es eigentlich ganz schnell nach oben. Professionell in der internationalen Pokerszene und mit einem Sponsorenvertrag spiele ich seit zwei Jahren.

ZEIT ONLINE: Was muss ein guter Pokerspieler können?

Naujoks: Bluffen natürlich. Wenn Sie schon bei der kleinsten Notlüge rote Ohren bekommen, können Sie es gleich sein lassen. Ein Pokerspieler muss seine Körpersprache beherrschen. Es kommt darauf an, dem Gegner keinerlei Schwächen zu zeigen. Man sollte Wahrscheinlichkeitsrechnung können.

ZEIT ONLINE: Wie läuft so ein internationales Pokertreffen denn ab?

Naujoks: So ein Turnier hat meist ein Teilnehmerfeld von 1000 Spielern. Über fünf Tage wird jeden Tag zwölf Stunden lang gepokert. Da ist es wichtig, nicht die Geduld und Disziplin zu verlieren. Es gibt Situationen, in denen ein Spieler gar nicht spielen sollte. Sonst spielt er Hände, die er lieber nicht gespielt hätte und fliegt vorzeitig raus.

ZEIT ONLINE: Worauf achten Sie bei ihren Gegnern?

Naujoks: Auf die Körpersprache. Ich sehe oft unter den Tisch. Sind Spieler entspannt, wippen die meisten mit dem Fuß. Bei einem schlechten Blatt sind die Füße meistens ganz still. Manchmal ist es auch nur ein Augenzucken, ein nervöses Schlucken oder eine pochende Halsschlagader, durch die sich jemand verrät. Deshalb tragen viele Spieler auch Schal und Sonnenbrille.

ZEIT ONLINE: Klingt ja fast nach James Bond.

Naujoks:Pokern hat keinen James-Bond-Glamour. Die internationale Turnierszene funktioniert anders. Stellen Sie sich einen sterilen Raum mit Teppichboden vor, sechzig, siebzig Tische mit hunderten, schwitzenden Spielern. Casino-Royale-Atmosphäre kommt da sicher nicht auf. Wir packen heute auch nicht mehr die Autos in die Mitte und die Frau noch oben drauf. In der Top-Liga geht es um Ruhm, Ehre und sportlichen Ehrgeiz, nicht um den Autoschlüssel.

ZEIT ONLINE: Sie gehören zu den vier Prozent Frauen in der professionellen Poker-Liga. Wie reagieren die Männer, die gegen Sie verlieren?

Naujoks: Es gibt Männer, die offenbar ein Problem damit haben, gegen eine Frau zu verlieren. Die nehmen ihr Ego mit an den Tisch. Im Poker muss man als Frau viel einstecken können, sich dreimal von dem Typen eins drüber braten lassen und sich sagen: "Alles klar, irgendwann krieg ich Dich!" Das können viele nicht. Kommt mir einer besonders blöd, versuche ich, den am besten gleich vom Tisch zu nehmen.

ZEIT ONLINE: Und wenn Sie privat pokern, lassen Sie die Männern dann immer gewinnen?

Naujoks: Das brauche ich gar nicht. Meine Freunde spielen alle selbst ganz gut. Es ist ja nicht so, dass ich immer gewinne. Dazu brauchen Sie immer ein bisschen Glück.

ZEIT ONLINE: Pokern Männer anders als Frauen?

Naujoks: Männer spielen wesentlich direkter, aggressiver. Sie sind mehr der Wettkampftyp am Tisch. Frauen spielen überlegter.