Ob sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen, hängt für viele Menschen von etlichen Faktoren ab: Wie gut ist die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten? Welche physischen und psychischen Belastungsproben muss man jeden Tag durchstehen ? Hat man neben dem Job noch genügend Zeit für Familie und Freunde? Wie flexibel sind die Arbeitszeiten und welche Zusatzqualifikationen können erworben werden? Die Forscher vom Statistischen Bundesamt haben diese Fragen untersucht und in der Studie Qualität der Arbeit zusammengefasst.

Dabei kommen sie unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich Erwerbstätige in Deutschland häufiger als bislang psychisch beeinträchtigt fühlen . Nach Angaben der Statistiker nannten elf Prozent als Auslöser Zeitdruck und Arbeitsüberlastung. Mobbing und Belästigung spielen dabei eine vergleichsweise geringe Rolle (ein Prozent). Einzelne Berufsgruppen waren demnach davon besonders betroffen: Akademiker und Führungskräfte stehen am häufigsten unter Stress und Zeitdruck.

Die Forscher überprüften auch, wie hoch der Anteil der befristeten Arbeitsverträge in Deutschland inzwischen ist. Demnach hatte im vergangenen Jahr jeder elfte Arbeitsvertrag ein Verfallsdatum. Zwischen Männer und Frauen gab es dabei nur einen geringen Unterschied von einem Prozentpunkt. Insgesamt lag Deutschland damit im europäischen Vergleich unter dem EU-Durchschnitt von zehn Prozent und bewegt sich nach Recherchen der Statistiker im europäischen Mittelfeld.

Auch zu den Arbeitszeiten in deutschen Büros, Fabriken und Geschäften hat das Statistische Bundesamt neue Zahlen veröffentlicht. Demnach hätten 2009 im Schnitt rund 3,8 Millionen Erwerbstätige – darunter Arbeitnehmer, Selbstständige und mithelfende Familienangehörige – länger als 48 Stunden in der Woche gearbeitet . 4,3 Prozent arbeiteten demnach sogar über 60 Wochenstunden. Mit der Obergrenze von 48 Stunden pro Woche orientierten sich die Statistiker den Angaben zufolge an der maximal zulässigen Zahl an Wochenstunden laut Arbeitszeitgesetz.

Besonders stark von Überstunden betroffen waren demnach Selbstständige, von denen fast jeder Zweite (47,4 Prozent) eine überlange Wochenarbeitszeit hatte. Unter abhängig beschäftigten Arbeitnehmern in Unternehmen hingegen arbeiteten nur 5,3 Prozent länger als 48 Stunden.

Deutliche Unterschiede bei den Wochenarbeitszeiten gab es laut Statistik auch je nach Berufsfeld. So leisteten zwei von fünf Führungskräften (38,5 Prozent) über 48 Stunden Arbeit pro Woche, unter Landwirten sei es jeder Dritte (32,6 Prozent) gewesen. Unter Akademikern seien 17 Prozent von hohen Wochenarbeitszeiten betroffen, unter Hilfsarbeits- und Bürokräften sowie kaufmännischen Angestellten hingegen jeweils nur rund drei Prozent.

Bei Frauen seien überlange Arbeitszeiten deutlich seltener als bei Männern gewesen, teilten die Statistiker mit. Während 14,8 Prozent der Männer über 48 Stunden gearbeitet hätten, seien es bei den Frauen nur 4,2 Prozent gewesen. Dies liege daran, dass Frauen deutlich seltener in Führungspositionen seien und Frauen in Führungspositionen seltener als Männer überlange Arbeitszeiten hätten. Daneben seien auch unter älteren Beschäftigten lange Wochenarbeitszeiten weiter verbreitet gewesen als unter jüngeren, teilte das Amt für Statistik mit. Hintergrund sei, dass es unter den älteren Erwerbstätigen mehr Führungskräfte gebe.