Für die Mitarbeiter der Gothaer Versicherungen ist ihr "Bildungscockpit" zu einem völlig vertrauten Bereich geworden, wann immer es um Qualifizierung geht: Die Mitarbeiter haben jeweils einen personalisierten Bereich im Intranet. Dort kann sich jeder Mitarbeiter anmelden und Bildungsangebote "zusammenklicken" und beispielsweise auch externe Schulungen der eigenen Bildungshistorie hinzufügen. Ein Blog mit tagesaktuellen Praxistipps fördert den Austausch der Schulungsverantwortlichen. "Einheiten, die in Sachen Qualifizierung weitgehend getrennt von voneinander agierten, lernen nun voneinander und tauschen sich über gemeinsame Standards und Best Practices aus", sagt Lorenz Hucke, Verantwortlicher für Bildungstechnologien bei der Versicherung.

Aufgebaut hat das Bildungssystem eine Karlsruher Softwarefirma time4you GmbH. Der Schlüssel zum Erfolg liege in der sinnhaften Ergänzung von Präsenz- und E-Learning-Elementen und einer guten Kommunikationsstrategie, sagt Christina Neuhoff, Leitung Sales bei time4you.

Wer über den Einsatz von E-Learning-Lösungen nachdenkt, sollte strukturiert vorgehen, rät Marianne Schefczik-Dippel, Vorstand der Firma eBildung. Vorneweg gelte: "Je mehr sich die Planung der E-Learning-Lösung an den Inhalten und Zielen der Weiterbildung orientiert, desto höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit." Die Technik müsse benutzerfreundlich sein und funktionieren, ansonsten hat sie in den Hintergrund zu treten. Die Lernenden sollten weiterhin die Möglichkeit haben, "konventionell zu lernen", also beispielsweise Inhalte zu drucken, sagt Schefczik-Dippel. Und die Entscheider sollten im Vorfeld ein E-Learning-Seminar belegen und eigene Erfahrungen sammeln. "Wenig zielführend ist es, umfangreiche Kriterienkataloge aus E-Learning-Ratgebern nach dem Motto 'Viel hilft viel' abzuschreiben", empfiehlt die Expertin.

In Ländern wie den USA, aber auch in Großbritannien und Frankreich, ist E-Learning bereits ein fester Bestandteil im beruflichen Lernprozess. Hierzulande stehen viele Personaler der Lernform noch skeptisch gegenüber, sagt Hartmut Jöhnk. Er ist Geschäftsführer bei Cegos Deutschland, einem führenden Unternehmen in den Bereichen Kompetenzentwicklung und globales Lernen. "Es gibt in den Human Resource-Bereichen noch zu wenig Erfahrung damit, wie E-Learning sinnvoll mit Lerneinheiten kombiniert wird, die ein Trainer in der Präsenzveranstaltung durchführt", sagt Jöhnk. "Dieses sogenannte Blended Learning bringt die größten Lernerfolge, und Unternehmen sparen Kosten."

Jöhnks Empfehlung: "Im Zeitalter von Internet und Multimedia sollten Unternehmen nicht ausgerechnet bei der Qualifizierung an althergebrachten Methoden festhalten. Es ist viel effektiver, neue Technologien zu nutzen, um flexibel auf Bedarf, Zeitplanung und Aufnahmefähigkeit des einzelnen Mitarbeiters einzugehen." Viele der jüngeren Arbeitnehmer und Führungskräfte im Alter von bis zu 40 Jahren sind mit dem Computer aufgewachsen. "Für sie stellt das Blended Learning die ideale Lernform dar. Zum einen können sie das Gelernte direkt am Arbeitsplatz und in der gewohnten Atmosphäre in die Praxis umsetzen. Zum anderen kann jeder individuell und im eigenen Tempo lernen, wenn es in seinen Tagesrhythmus passt." Und nicht zuletzt sei der Einzelne räumlich unabhängiger.