Wenn André Maack morgens seinen Arbeitstag beginnt, holt er sich zunächst einen Kaffee, ruft sein Mails ab und telefoniert mit Mitarbeitern. Ein ganz normaler Start in den Tag, so wie bei Zigtausend anderen Menschen in Deutschland auch. Anschließend setzt er sich dann mit einigen Kollegen zusammen und spielt ein Brettspiel. Angst vor einem Rüffel vom Chef muss er dabei nicht haben. André Maack arbeitet beim Ravensburger Spieleverlag. Die Redakteure testen die Spiele, die noch in der Entwicklung sind.

Die Prototypen von Brett- und Kartenspielen kommen von professionellen Spielautoren und Privatpersonen. Sie schicken ihre Ideen an den Verlag. Die Entscheidung, ob ein Spiel auf den Markt kommt, treffen die Spieleredakteure. Der Weg dahin ist allerdings ein langer Prozess.

Zunächst wird der Prototyp intensiv getestet. Erst wenn die Redakteure ein Spiel für gut befinden, sprechen sie mit dem Autor. Dann geht es an die wesentliche Arbeit: Das Spiel muss bis zur Marktreife entwickelt werden. Es wird verändert und verbessert. Bis zu einem halben Jahr kann es dauern, bis ein Spielprinzip wirklich ausgereift sei, sagt Maack.

© Tim Boyle/Getty Images

Beim Ravensburger Spieleverlag betreut jeder Redakteur bis zu sieben Projekte zeitgleich. Zur Arbeit gehören auch das Verfassen der Spielanleitungen und das Entwerfen des Designs. Sind die Symbole groß genug? Aus welchem Material sollen der Spielplan, die Karten, die Figuren bestehen? Ist dies wirklich die optimale Lösung für die jeweilige Zielgruppe? Spiele für Erwachsene haben schließlich andere Anforderungen als Spiele für Kinder . Dabei arbeiten die Spieleredakteure nicht nur mit dem Autor, sondern auch mit Grafikern und Entwicklern zusammen.

Und immer wieder wird das Spiel getestet. Das kann anstrengend sein: "Wenn ich ein Spiel zum 40. oder 50. Mal innerhalb kurzer Zeit gespielt habe, kann einem das schon auf die Nerven gehen", sagt Maack. Und nicht immer ist die Arbeit auch von Erfolg gekrönt. "Es kann auch sein, das man mehrere Monate Arbeit in ein Spiel hineinsteckt und dann merkt, dass es doch nicht umsetzbar ist."

Spezielle fachliche Fähigkeiten benötigen Spieleredakteure nicht. Der Berufszugang ist frei, viele Redakteure sind Quereinsteiger und kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Maacks Kollegen sind Germanisten, Ingenieure, Mathematiker. Nur wenige haben ein Volontariat bei einem Spieleverlag absolviert.

Spieleredakteure sollten Organisationstalent, Geduld, Teamfähigkeit und Kreativität mitbringen. Und natürlich Spaß am Spielen . Entsprechend ist der Weg in den Beruf denkbar einfach. "Was man vorher gemacht hat, ist nicht entscheidend. Man sollte einen Universitäts- oder Hochschulabschluss mitbringen und sich gut in der Spielelandschaft auskennen. Nur zu Weihnachten Rommé mit der Oma zu spielen, reicht leider nicht", sagt Maack. Die Anzahl der Arbeitsplätze ist allerdings gering. Die Branche ist klein. "Bundesweit gibt es etwa 60 Stellen als Spieleredakteur", sagt Maack.

Feste Arbeitszeiten gibt es zwar, dennoch wird erwartet, dass die Redakteure auch in ihrer Freizeit Spiele testen – um eine Vielzahl von Meinungen einzuholen. Für Maack ist diese Anforderung kein Problem. "Die Arbeit ist abwechslungsreich. Jeder Tag ist ein neues Abenteuer."

  • Arbeitszeit: 50 – 60 Stunden/Woche
  • Gehalt: zwischen 30.000 und 40.000 Euro/Jahr
  • Ausbildung: Quereinstieg ist die Regel, Volontariat zum Spieleredakteur möglich