Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen . Über 150 Liter trinkt jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr. Und Michael Lentz treibt den Durchschnitt nach oben, sein Verbrauch liegt im Jahr deutlich höher. Verbrauch wohlgemerkt, nicht Konsum. Denn zumindest während seiner Arbeitszeit probiert er nur und spuckt den Kaffee dann wieder aus. Lentz ist seit über 20 Jahren Kaffeetester bei Tchibo.

Während der Verkostung darf er sogar, was sonst eher gegen die Etikette verstößt: schmatzen und schlürfen. Nur so kann er die unterschiedlichen Geschmacksstoffe erfassen. "Kaffeetester müssen viele unterschiedliche Geschmacksnuancen herausschmecken", sagt Lentz. "Je nach Herkunftsland variieren die Aromastoffe, mehrere Hundert können in einer einzigen Bohne stecken."

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Doch nur mit dem Probieren ist die Arbeit der Kaffeeverkoster nicht getan. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört auch die Begutachtung des Rohkaffees vor der Röstung. Die Bohnen werden auf Mängel, Größe und Wassergehalt untersucht und mit denen anderer Sorten verglichen. "Wir sind der erste Anlaufpunkt, arbeiten den Kaffeeeinkäufern zu und geben Empfehlungen für Sorten ab", sagt Lentz.

Der Beruf ist selten, in Deutschland gibt es ungefähr 30 Kaffeetester. Nicht jeder ist geeignet. "Wenn einem das im wahrsten Sinne des Wortes nicht einfach von der Zunge geht, dann ist man für diesen Beruf nicht geeignet", sagt Lentz. Die Prüfer müssen einen besonders guten Geruchs- und Geschmackssinn haben. "Es gibt einige Menschen, die ein besonderes Talent dafür haben", sagt Lentz.

Das Talent entscheidet im Bewerbungsverfahren darüber, ob jemand Kaffeetester werden kann oder nicht: In Unternehmen wie Tchibo bekommen die Kandidaten verschiedene Sorten vorgesetzt. Wer erkennt, welche geschmacklichen Besonderheiten der jeweilige Kaffee mitbringt, kommt in die engere Auswahl und wird von einem erfahrenen Tester ausgebildet.

Einen Ausbildungsberuf Kaffeetester im klassischen Sinne gibt es somit nicht. Oft arbeiten die Prüfer jedoch bereits in kaffeeverarbeitenden Unternehmen, bei Exporteuren oder Händlern und fallen durch ihre Geschmacksfähigkeiten auf.  Ähnlich war es seinerzeit auch bei Lentz. Mittlerweile hat er sich, seiner Zunge sei Dank, über die Grenzen Deutschlands hinaus einen guten Ruf erarbeitet. Die Jobperspektiven sind für die etablierten Prüfer gut. Sie finden Anstellungen in allen Bereichen, die mit Kaffee zu tun haben.

Doch wie steht es mit der eigenen Vorliebe? Muss man für den Beruf auch zwingend Kaffeetrinker sein – und was geschieht, wenn man das Koffein nicht mehr verträgt? Lentz gibt Entwarnung. Die Prüfer testen nur, sie trinken den Kaffee ja nicht literweise. Teeliebhaber hätten es allerdings schwer, sagt Lentz und lacht. Schattenseiten gibt es für ihn in seinem Beruf nicht. Auch hat er es bisher noch nicht erlebt, dass er des Kaffees überdrüssig wurde. "Ich mag meinen Beruf und ich mag Kaffee. Übrigens gerne auch mit Milch und Zucker ."

  • Gehalt: Einstieg, je nach Erfahrung, bei circa 2000 Euro;
  • Arbeitszeit: 40 Stunden, saisonal bedingt manchmal mehr;
  • Ausbildung: Innerbetriebliche Ausbildung, nicht staatlich geregelt;