ZEIT ONLINE: Sie sind alle fünf ausgebildete Opernsänger und haben an großen Opernhäusern gesungen. Seit zwei Jahren touren Sie als gecastete Gruppe Adoro mit klassisch interpretierten Popsongs durchs Land. Wie schlecht ist es um den Beruf des Opernsängers bestellt?

Peter Dasch:(lacht) Wenn ich mir unsere Plattenverkäufe und die Anzahl unserer Fans so ansehe, würde ich sagen, nicht so schlecht. Aber ernsthaft: Wir sind alle klassische Sänger. Die Arbeitsbedingungen am Theater oder als freiberuflicher Sänger sind häufig prekär . Entweder wird man an einem Theater Ensemblemitglied, dann hat man ein wenig finanzielle Sicherheit, oder man arbeitet als Freiberufler mit aller Freiheit und allen Risiken. Die meisten Freien suchen sich dann einen Agenten. In der Ausbildung lernen nämlich die wenigsten Sänger, wie man richtig verhandelt.

Laszlo Maleczky: Ich habe lange Zeit für freie Produktionen gearbeitet und an verschiedenen Theatern und Opernhäusern gesungen. Für mich war das damals eine ganz bewusste Entscheidung für die Freiberuflichkeit, aber man muss es mögen, nicht diese Sicherheit zu haben.

Musik - Adoro: Die Karriere als Klassik-Popstars

ZEIT ONLINE: Bei Adoro sollte die Bezahlung nicht so mies sein. Wie würden Sie denn Ihr Berufsverständnis definieren, und ist es als klassischer Opernsänger nicht verpönt, kommerziellen Pop zu machen?

Dasch: So weit würde ich nicht gehen. Es macht Spaß, neue Wege zu gehen. Ich komme aus einer Familie, in der schon immer viel musiziert wurde. Meine Schwester ist Sopranistin, und ich habe klassischen Gesang in Berlin und Leipzig studiert. Ich liebe es zu singen. Adoro bietet mir die Möglichkeit, das zu tun, was ich liebe und gelernt habe, und damit ein breites Publikum zu erreichen.

Maleczky:  Die Oper war ja einst die populäre Musik ihrer Zeit, viele Opernarien waren echte Gassenhauer. Es ist kurios, dass jetzt die Klassikbranche teilweise mit einer derartigen Herablassung auf solche Projekte blickt. Aber ich muss zugeben: Als ich die Einladung zum Adoro-Casting bekam, stand ich dem Projekt zunächst auch skeptisch gegenüber. Klassikpop wie ich ihn bisher kannte, fand ich nicht überzeugend, aber dann hat es mich doch gereizt, etwas Neues auszuprobieren.

ZEIT ONLINE: Das Neue war ein entsprechend gut bezahlter Vertrag mit Universal Music?

Maleczky:(lacht)  Darüber schweigen wir! Wissen Sie, was das Problem ist? Die Oper hat die Aura der hohen Kunst, aber die Oper läuft Gefahr, sich mehr und mehr von den Menschen zu entfernen. Klassikpop hingegen erreicht die Menschen. Und das ist auch unser Berufsverständnis: Wir bauen Brücken. Viele Besucher unserer Konzerte erleben zum ersten Mal in ihrem Leben klassische Stimmen. Was aber nicht heißt, dass die Oper zum Event verkommen sollte.

Nico Müller: Wir schärfen gewissermaßen das Bewusstsein. Bei den Konzerten singen wir auch immer mindestens einen klassischen Operntitel und genießen die Reaktion im Publikum.

Jandy Ganguly: Das wirklich Schöne an unserem Job ist, dass wir Menschen für die Oper begeistern, die sonst nie damit in Kontakt gekommen wären. Wir haben übrigens auch ein kleines Musikquiz entwickelt, das wir bei den Konzerten mit dem Publikum spielen. Dabei fragen wir ab, wie viel Kontakt die Leute schon mit der Oper hatten. Meist gehen nur wenige Arme hoch – aber mittlerweile hören wir sehr häufig, dass die Leute wegen uns in die Oper gegangen sind. Und das berührt einen schon sehr.

ZEIT ONLINE: Gerade ist Ihr drittes Album erschienen – und auch auf dieser CD finden sich keine klassischen Titel. Verkauft sich das schlicht nicht oder haben Sie kein Mitspracherecht?

Dasch: Doch, wir haben ein Mitspracherecht und ja, Sie haben natürlich auch recht mit Ihrer Anspielung: Wir sind nicht an der Oper, sondern im Musikbusiness, wo es ums Geld geht.

Müller: Dass es auf den CDs keine klassischen Titel gibt, hat aber schlicht technische Gründe. Die Aufnahmen sind sehr schwierig.

Kacholi: Die Studioarbeit ist zwar ein spannender Teil unserer Arbeit und auch eine Herausforderung. In erster Linie sind wir aber Opernsänger. Am wichtigsten sind uns die Live-Konzerte und der Kontakt mit unseren Fans.

ZEIT ONLINE: Haben Sie nicht Sehnsucht danach, nicht nur kitschige Popballaden für ein Massenpublikum, sondern auch wieder Opern für ein qualifiziertes Publikum zu singen?

Maleczky: Ob das Publikum, das sich Opernkarten leisten kann, immer so qualifiziert ist, sei mal dahin gestellt. Sowohl an der Oper als auch beim Klassikpop geht es darum, die Menschen zu berühren. Und natürlich ist die Sehnsucht nach der Opernbühne da. Wir geben doch nicht unseren eigentlichen Beruf und unsere Berufung auf. Adoro ist ein Teil unseres Lebens als Sänger, aber es gibt noch anderes.

Dasch: Fakt ist aber, dass keiner von uns derzeit ein richtiges Opern-Engagement annehmen kann. Das wäre nicht zu vereinbaren, aber wir können nebenbei natürlich Konzerte singen. Nico Müller und ich tun dies auch.

ZEIT ONLINE: Ist das ein edles Zugeständnis der Plattenbosse an Sie?

Dasch: Es ist zeitlich einfach nicht möglich.