ZEIT ONLINE: Frau Rausch, ist es einfacher, in einem Unternehmen, das Nachfolgeplanung betreibt, Karriere zu machen , als in Firmen ohne Nachfolgeregelung?

Susanne Rausch: Einfacher ist es sicher nicht, weil sich jeder Mitarbeiter bewähren muss – auch für die Nachfolge. Doch attraktiv sind solche Regelungen allemal, denn sie machen eine Karriere planbar und sind eine klare Perspektive für den Tag X. Nur sollte man dabei nicht vergessen, die Ziele des Unternehmens mit seiner eigenen Karriere- und Lebensplanung abzugleichen.

ZEIT ONLINE: Das heißt?

Rausch: Selbst wenn heute jemand auf dem Papier als Nachfolger feststeht, kann er niemals sicher sein, ob er das am Ende auch tatsächlich wird. In der heutigen Zeit kann viel passieren: Der Geschäftsbereich wird aus strategischen Gründen aufgelöst, das Unternehmen wird verkauft und womöglich hat der neue Eigentümer dann ganz andere Interessen. Leider blenden die Kandidaten bei solchen Angeboten ihr Risiko aus, so dass die Firmen häufig leichtes Spiel haben. Ich empfehle jedem, seine eigene Karriereplanung nie aus den Augen zu verlieren, schließlich ist jeder selbst für sich verantwortlich.

ZEIT ONLINE: Wie lässt sich die eigene mit der Planung des Arbeitgebers in Einklang bringen?

Rausch: Vor allem muss man darauf achten, marktfähig zu bleiben. Die Unternehmen fördern logischerweise im eigenen Interesse. Daraus resultiert die Gefahr, dass man sich aufgabenspezifisch zu sehr festlegt. Den Markt darf man nie aus den Augen verlieren, und kommt ein Nachfolge-Angebot , sollte man die Frage für sich ehrlich beantworten: Passt die Aufgabe zu mir, ist es das, was ich will? Grundsätzlich fühlt man sich zunächst geschmeichelt und trifft in einer solch emotionalen Situation vielleicht die falsche Entscheidung.

ZEIT ONLINE: Wie werten Sie trotz aller Vorbehalte Nachfolgeangebote für Mitarbeiter?

Rausch: Sie bieten in jedem Fall eine Perspektive und man kann davon ausgehen, dass man entsprechend ausgebildet, entwickelt und gefördert wird – darin liegt selbstverständlich eine große Chance.

ZEIT ONLINE: Und aus Sicht der Unternehmen?

Rausch: Manche Firmen haben noch nicht erkannt, dass eine Nachfolgeplanung für sie wesentlich mehr Vorteile bringt, als für die Mitarbeiter selbst: Sie können Leute mit dem notwendigen Potential auswählen, sie nach ihren eigenen Bedürfnissen entwickeln und an das Unternehmen binden. Sollte es mit der Nachfolge dann doch nichts werden, haben die Firmen Geld in die Qualifikation eines Mitarbeiters investiert, was ja nicht per se eine Fehlinvestition ist.

ZEIT ONLINE: Was wird aus dem übergangenen Mitarbeiter?

Rausch: Die Enttäuschung darüber, dass ein anderer für die Nachfolge ausgewählt wurde, kann er verdauen. Dass er allerdings durch zu spezielle und firmenspezifische Qualifizierungsmaßnahmen für andere Firmen uninteressant wurde, wiegt viel schwerer. Ich erlebe oft genug, wie hoffnungsvolle Potentialträger deshalb im Laufe weniger Jahre in einer Sackgasse landen.