Wer kann sich freiwillig versichern und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Selbständige, Pflegepersonen und Arbeitnehmer, die im Ausland arbeiten, können freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einzahlen . Allerdings ist dies nur möglich, wenn die Aufnahme der Tätigkeit nicht länger als einen Monat zurückliegt. Der Antrag wird bei der Arbeitsagentur des Wohnortes gestellt – und muss spätestens drei Monate, nachdem er beantragt wurde, ausgefüllt und abgegeben werden. Wichtig: Der Antragsteller muss einen Nachweis über seine Tätigkeit erbringen, also einen Gewerbeschein, einen Beleg von der Pflegekasse oder einen entsprechenden Arbeitsvertrag vorlegen. Wer ohnehin einen Antrag auf Existenzgründung stellt, braucht keine Nachweise einzureichen.

Aber es gibt noch eine Hürde: Einen Anspruch auf die freiwillige Arbeitslosenversicherung haben nur solche Selbständige, Pflegepersonen und Auslandsbeschäftigte, die in den vergangenen zwei Jahren mindestens schon zwölf Monate lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, weil sie zuvor fest angestellt waren. Das heißt: Wer beispielsweise zuvor studiert oder eine schulische Ausbildung beendet hat und kein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis hatte, sondern sich gleich nach dem Abschluss selbständig macht, kommt leider gar nicht erst rein. Auch wer bereits seit langer Zeit selbständig ist, kann sich nicht freiwillig versichern. Ausgeschlossen sind auch Personen, die zuvor Arbeitslosengeld II bekommen haben.

Insofern lohnt sich die freiwillige Arbeitslosenversicherung vor allem für Existenzgründer, die aus einer Festanstellung kommen oder aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen.

Übrigens: Wer von seinem deutschen Unternehmen ins Ausland entsandt wird, braucht sich nicht freiwillig zu versichern – für ihn zahlt der Arbeitgeber ohnehin in die Arbeitslosenversicherung ein.

Wie teuer ist die Versicherung im Monat?

Die Kosten sind zum 1. Januar 2011 gestiegen. Pflegende müssen nun 7,67 Euro, statt 7,15 Euro in den alten und 6,72 Euro, statt 6,08 Euro in den neuen Bundesländern zahlen. Für Selbstständige und Auslandsbeschäftigte wird es deutlich teurer. Sie zahlten bislang einen monatlichen Beitrag von unter 18 Euro zur Arbeitslosenversicherung. Fortan werden Selbstständige in Westdeutschland 38,33 Euro und in Ostdeutschland 33,60 Euro im Monat bezahlen, für Auslandsbeschäftigte werden 38,33 Euro fällig.

Wer bereits freiwillig versichert war, hat wegen der Erhöhung noch bis zum 31. März 2011 ein Sonderkündigungsrecht. Und: Die Agentur für Arbeit hat angekündigt, dass die Beiträge zum 1. Januar 2012 noch einmal um 100 Prozent ansteigen. Selbständige werden dann fast 80 Euro im Monat zahlen müssen.

Wonach berechnet sich die Höhe des Arbeitslosengelds?

Angesichts des hohen monatlichen Beitrags stellt sich vielen die Frage, was sie am Ende eigentlich raus bekommen. Die Höhe des Arbeitslosengelds richtet sich nach einem fiktiven Arbeitsentgelt, sofern der arbeitslose Selbständige in den vergangenen zwei Jahren nicht mindestens 150 Tage einen festen Lohn bekommen hat. Die gute Nachricht ist, dass das fiktive Entgelt deutlich höher als das reale Einkommen als Selbständiger sein kann, weil es sich nach dem Ausbildungsstand richtet. So bekommen arbeitslose Selbständige mit einem Hochschulabschluss 1266 Euro in den alten und 1131,60 Euro in den neuen Bundesländern. Wer eine Fachschule oder einen Meistertitel erworben hat, bekommt immerhin noch 1116,90 Euro beziehungsweise 979,80 Euro Arbeitslosengeld I, wer eine Berufsausbildung hat, erhält 934,80 Euro in Westdeutschland und 809,40 Euro in Ostdeutschland, Ungelernte bekommen 716,70 Euro beziehungsweise 607,20 Euro.

Muss ich im Fall der Arbeitslosigkeit meine Selbständigkeit ganz aufgeben?

Nein, wer sich wegen einer Auftragsflaute arbeitslos meldet und Leistungen in Anspruch nimmt, muss nicht gleich sein Gewerbe oder seine Freiberuflichkeit für immer aufgeben. Während der Bezugszeit dürfen sowieso 165 Euro hinzu verdient werden und es besteht – wie bei jedem anderen Arbeitslosen auch – die Möglichkeit, sich für einzelne Tage wieder arbeitend zu melden. Wer an diesen Tagen seiner Selbständigkeit nachgeht, darf natürlich seinen ganzen Lohn behalten, muss das Einkommen aber versteuern. Und er muss sich für diese einzelnen Tage selbst krankenversichern. Aber: Damit die Arbeitslosenversicherung nicht generell als Absicherung für schlechte Zeiten missbraucht wird, muss zwischen den Bezugszeiten mindestens wieder zwölf Monate lang am Stück eingezahlt werden.