Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften haben sich mit der Unterzeichnung einer Charta zur Schaffung flexibler, familienbewusster Arbeitszeiten bekannt. Nach der Charta sollen unter anderem bis 2013 die Bedingungen geschaffen sein, dass Familien "bedarfsgerecht dauerhafte und verlässliche Betreuungsmöglichkeiten" für ihre Kinder haben. Im Frühjahr 2013 soll eine Bilanz gezogen werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Fortschritte hierbei seien auch ein Schlüssel, um mehr Frauen in Führungspositionen der Unternehmen zu bringen. Dass sie dort so rar sind, sei "ein ziemlicher Skandal". Die Kanzlerin drohte erneut mit gesetzlichen Maßnahmen, sollten die Unternehmen nicht reagieren: Trotz der vor zehn Jahren vereinbarten Selbstverpflichtung sei wenig passiert.

Die Regierung wolle den Unternehmen "noch eine Chance" geben, an der Situation etwas zu verbessern. "Seien Sie kreativ, sonst werden wir kreativ sein", rief Merkel den Spitzenvertretern der Wirtschaftsverbände mit Blick auf die Debatte um eine Quote für Frauen in Firmenvorständen und Aufsichtsräten zu. Angesichts der demografischen Probleme und des wachsenden Fachkräftemangels seien familienfreundliche Arbeitszeiten zwingend und nicht nur Frauen-, sondern auch Männersache.

Auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) forderte bei dem Spitzengespräch ein Umdenken in den Unternehmen. Es bedürfe einer Kultur des Respekts vor familiärer Verantwortung. Die Präsenzkultur, die festsitzende Überzeugung, dass der beste Mitarbeiter derjenige sei, der lange am Schreibtisch sitze, müsse abgelegt werden. Gerade Führungskräften müsse mehr Teilzeitarbeit ermöglicht werden, sagte die CDU-Politikerin. Ein Chef müsse seinen Mitarbeitern nicht ständig über die Schulter schauen. Auch müsse man nicht ständig erreichbar sein.