ZEIT ONLINE: Frau Lüdemann, angenommen wir treffen uns auf einem Empfang und ich möchte Sie in einen Smalltalk verwickeln. Wie spreche ich Sie richtig an?

Carolin Lüdemann: Mit jedem positiven Thema, das eine Gemeinsamkeit herstellt. Sie könnten mich fragen, wie mir der Empfang gefällt. Das Gespräch von sich aus zu suchen, ist jedenfalls immer eine gute Idee. Viele Menschen trauen sich leider nicht. Vor allem scheuen sich viele, einen Ranghöheren anzusprechen. Man kennt diese Situation von Firmenfeiern: Der Vorgesetzte steht allein auf weiter Flur. Dabei zeigt sich beim Smalltalk, wer über Sozialkompetenz verfügt.

ZEIT ONLINE: Wieso?

Lüdemann: Wer es schafft, andere in eine angenehme Unterhaltung zu verwickeln, kann wahrscheinlich auch gut mit Kunden oder anderen Mitarbeitern umgehen.

ZEIT ONLINE: Welche Themen eignen sich?

Lüdemann: Solche, bei denen jeder mitreden kann. Bei einer Firmenfeier kann das der Wein, das Essen, die Musik oder das gute Betriebsergebnis sein. Bei einem Empfang oder Firmenevent mit externen Gästen können Sie über die Veranstaltung, das Wetter, Kultur oder Sport reden.

ZEIT ONLINE: Wichtig ist auch die Körpersprache.

Lüdemann: Ja, sie ist sehr wichtig. Halten Sie Blickkontakt, lächeln Sie, seien Sie aufgeschlossen. Achten Sie darauf, ob der andere sich wohl fühlt. Wenn er unsicher ist, dürfen Sie die Gesprächsführung übernehmen. Aber seien Sie sensibel. Ein gelungener Smalltalk ist wie ein Spiel mit einem Ball. Beide Partner können sich den Ball solange zuwerfen, wie sie Freude daran haben. Darum ist auch wichtig, dass Gesprächsthemen miteinander verknüpft werden.

ZEIT ONLINE: Warum?

Lüdemann: Weil das Gespräch sonst ins Stocken gerät, der Ball also auf den Boden fällt. Leider neigen viele dazu, nichts oder nur wenig von sich preiszugeben und den anderen stattdessen mit Fragen zu löchern. Ein solcher Smalltalk hat den Charme eines Verhörs und könnte dazu führen, dass der andere das Weite sucht.

ZEIT ONLINE: Manche freuen sich aber auch darüber. Endlich interessiert sich mal jemand für sie.

Lüdemann:Ja, das sind meist Selbstdarsteller . Die meisten Menschen fühlen sich jedoch eher dann wohl, wenn die Redeanteile der Beteiligten in etwa ausgewogen sind.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist es, authentisch zu sein?

Lüdemann: Beim Smalltalk geht es um die Anbahnung oder Pflege von Businesskontakten. Dafür eignen sich positive, eher oberflächliche Themen. Bleiben Sie also professionell, ohne sich aber zu verkrampfen. Verstellen muss sich niemand.

ZEIT ONLINE: Eine eigene Meinung ist also durchaus erlaubt?

Lüdemann: Natürlich, das macht Sie doch interessant und eben auch authentisch. Wenn Sie allerdings den Wein für miserabel halten, sollten Sie das dem Gastgeber nicht unbedingt auf die Nase binden.

ZEIT ONLINE: Was ist mit Politik?

Lüdemann: Früher hat man davor gewarnt, politische Themen im Smalltalk aufzugreifen. Heute gehen die Meinungen auseinander. Die Frage hängt von den Personen und der Situation ab. Auf einer Firmenfeier in Stuttgart kann die Debatte über den neuen Bahnhof durchaus ein Thema sein. Und es darf sich auch eine politische Diskussion entfachen, wenn sich alle Beteiligten damit wohl fühlen.