Früher schellte in Fabriken eine Pausenglocke, die Mitarbeiter legten die Arbeit nieder und aßen ihr Frühstück. Heute gibt es keine Pausenglocken mehr – und oftmals auch keine festen Pausen. Das behauptet zumindest die Gesundheitspsychologin Anne Katrin Maytssek . Sie hat ein Buch über Pausen geschrieben . Demnach nehmen sich Mitarbeiter immer seltener Zeit für eine Arbeitsunterbrechung und arbeiteten häufig durch. Zumeist, weil der Arbeitsdruck so hoch sei. Manche lassen sogar die Mittagspause ausfallen . Das sei fatal, sagt Maytssek, denn "Pausen sind wichtig, damit die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt. Niemand kann ewig durchpowern."

Die Arbeitsunterbrechungen sorgen für Erholung und beugen sogar Burn-Out vor, darüber sind sich Mediziner und Arbeitspsychologen einig. Studien zeigen: Mitarbeiter, die Pausen machen, arbeiten produktiver .

Untersuchungen zeigen auch, dass sich die kurzen Erholungsphasen während des Arbeitstages nicht aufschieben lassen. "Wenn die Ermüdung im Tagesverlauf ansteigt, muss man sich bei der Arbeit umso mehr anstrengen", sagt der Psychologe Johannes Wendsche von der TU Dresden . Das trage dazu bei, dass die Erschöpfung am Ende des Tages umso größer sei. Wer also durcharbeitet, um schneller in den Feierabend zu kommen, kann den womöglich gar nicht genießen, sondern liegt platt auf dem Sofa. Wer dauerhaft unter einem solchen Arbeitsdruck steht, gefährdet langfristig seine Gesundheit. 

Dabei sind lange Pausen gar nicht notwendig, schon sehr kurze Unterbrechungen von etwa einer Minute haben eine positive Wirkung. Denn der Erholungseffekt ist in den ersten Minuten am stärksten. "Viele kleine Pausen sind besser als eine große", sagt Psychologe Wendsche, der die erholsame Wirkung von Kurzpausen in seiner Doktorarbeit untersucht hat. Dabei fand er auch heraus, dass man nach einer zu langen Pausen schwerer wieder in die Arbeit hineinfindet.

Egal ob lange oder kurze Pause: Die Unterbrechungen helfen zudem, den Arbeitstag zu strukturieren. "Uns fällt es leichter, wenn wir viele kurze Arbeitsphasen haben, dann erreichen wir unser Leistungsziel besser", erklärt Johannes Wendsche. Die Mini-Unterbrechungen hätten zudem eine motivierende Wirkung, die Mitarbeiter freuen sich unbewusst auf ihre Pause und arbeiten deswegen etwas effektiver. 

Über einen Punkt sind sich die Forscher jedoch uneinig: Ob festgelegte Pausen gut sind oder ob es besser ist, wenn Mitarbeiter selbst entscheiden, wann sie ihre Arbeit unterbrechen. Schließlich empfinden die Arbeitnehmer dies als Handlungsfreiheit, was sich wiederum positiv auf die Stimmung auswirkt. Jedoch besteht auch das Risiko, dass sie die Pausen nicht einhalten, sie vergessen, auslassen oder verschieben – und somit unproduktiver werden.

Tipps für eine gute Pause

Wendsche plädiert deshalb für einen Mittelweg. Alle zwei Stunden gibt es eine feste Pause und dazwischen legt sich der Mitarbeiter selbst eine.

Damit er die nicht vergisst, hilft der Computer. Im Internet gibt es kostenlose Tools, die an anstehende Unterbrechungen erinnern. Eines dieser Programme ist beispielsweise Workrave , das nebenbei auch noch Übungsvorschläge zur Entspannung sowie Tipps gegen Rückenschmerzen gibt.

Neben etwas Bewegung und frischer Luft ist es nämlich wichtig, wirklich kurz abzuschalten. Die Gesundheitspsychologin Maytssek empfiehlt etwa, einen Kontrast zum Arbeitsalltag während der Auszeit zu schaffen. Wer schwitzt und schuftet, der sollte sich hinsetzen und ausruhen. Wer am Schreibtisch arbeitet, sollte aufstehen, ein Schritte gehen, auch ein paar Rückenübungen machen .

Hilfreich ist übrigens auch ein Blick ins Grüne: Forscher fanden heraus, dass Menschen, die in ihrer Pause in den Park gehen, erholter sind, als diejenigen, die durch eine Innenstadt laufen. Schon ein Hintergrundbild mit Eichhörnchen oder Akazienwald soll demnach entspannender sein, als die Betonwand des Bürogebäudes von gegenüber.

Und wer zu einer Pause gezwungen wird, etwa weil die Bahn zu spät kommt oder der Geschäftspartner, der sollte sich nicht ärgern, sondern die extra Auszeit genießen. Nur wenn Genuss da ist, kommt auch Erholung.

Übrigens: Wer gleich mal mit einer Pause beginnen möchte, kann diesem Link folgen und zwei Minuten lang entspannen .