Im Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel erleichtert die Bundesregierung die Anerkennung ausländischer Berufs- und Studienabschlüsse. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch ein Gesetz, das Ausländern einen Rechtsanspruch auf Prüfung ihrer Qualifikation einräumt. Binnen drei Monaten nach Vorlage aller erforderlichen Unterlagen sollen sie Klarheit bekommen, ob ihre Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. In dem Bescheid soll ihnen auch mitgeteilt werden, welche Weiterbildung für eine vollständige Anerkennung noch notwendig ist.

"Wir stehen in einem weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan. "Darum müssen wir das Potenzial all derer, die bei uns leben, optimal nutzen." Schätzungen zufolge leben in Deutschland fast 300.000 Ausländer vor allem aus Nicht-EU-Ländern, die unter ihrer Qualifikation arbeiten, weil ihre Berufsabschlüsse nicht anerkannt werden. Gleichzeitig klagt die Wirtschaft über einen Fachkräftemangel. Allein in den Bereichen Mathematik, Information, Naturwissenschaften und Technik fehlen nach Angaben von Arbeitgeberverbänden bereits mehr als 117.000 Fachkräfte.

Das neue Gesetz betrifft zunächst rund 350 Ausbildungsberufe, für die der Bund zuständig ist. Die Länder haben bereits in Aussicht gestellt, dass sie neue Regeln auch für Berufe unter ihrer Zuständigkeit wie Lehrer und Ingenieure auf den Weg bringen wollen.

Die Staatsangehörigkeit der Antragsteller soll bei der Bewertung der Abschlüsse keine Rolle mehr spielen. Bisher ist die Zulassung bei zahlreichen reglementierten Berufen etwa bei Ärzten an die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines anderen EU-Landes gebunden. Nun soll nur noch die Qualifikation ausschlaggebend sein, die der Zuwanderer mitbringt.