Beschäftigungslos wird Gabriele Poth in nächster Zeit wohl nicht werden. Die Leiterin des Zentrums für Umwelt und Energie der Handwerkskammer Düsseldorf in Oberhausen ist verantwortlich für die Ausbildung von Solarteuren, auch Fachkräfte für Solartechnik genannt . Sie kümmern sich um die fachgerechte Beratung über Fotovoltaikanlagen, Solarthermen und Wärmepumpen und die Installation der Anlagen. Solarteure müssen sich derzeit um einen Arbeitsplatz wenig Sorgen machen, denn die Branche erlebt seit Jahren einen wahren Boom. Laut einer Studie von Greenpeace und dem Europäischen Photovoltaikverband wird die Branche bis zum Jahr 2020 um stolze 34 Prozent wachsen.

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"Es werden händeringend Leute gesucht", bestätigt Poth. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Information. Interessiert sich ein Kunde für erneuerbare Energien, so stehen für den Solarteur zunächst einmal umfangreiche Beratungsgespräche auf dem Programm. Es gilt herauszufinden: Was will der Kunde überhaupt? Möchte er einfach nur Wasser mittels Sonnenenergie erhitzen oder will er soweit wie möglich unabhängig in der Energieerzeugung sein? Davon hängt ab, welches Produkt für den Kunden interessant ist. Photovoltaikanlagen wandeln Sonnenenergie in Strom um, Solarthermikanlagen liefern warmes Wasser, erhitzt durch die Kraft der Sonne. Eine Wärmepumpe wiederum nutzt Wärme aus dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Luft zum Heizen oder für die Warmwasserbereitung.

Sind die Wünsche des Kunden ermittelt, gilt es zu klären, welche Anlage für das jeweilige Haus in Frage kommt. "Die Anschaffung, egal welcher Anlage, schlägt schnell mit mehreren tausend Euro zu Buche. Von daher ist eine umfassende Beratung das A und O. Wenn ein Kunde beispielsweise tief im Wald wohnt, ist eine Photovoltaikanlage für ihn nicht sinnvoll. Das muss man dem Kunden dann erklären", sagt Poth. Auch wichtig: Den Kunden über öffentliche Fördermaßnahmen und steuerliche Aspekte informieren. "Solateure übernehmen von der kompletten Beratung bis hin zur Installation sämtliche Arbeiten."

Das Berufsbild ist bisher nicht staatlich anerkannt und somit auch kein klassischer Ausbildungsberuf, sondern kann lediglich über eine Weiterbildung erlernt werden. Der Titel allerdings ist ein geschützter Begriff. Die Ausbildung erfolgt nach einheitlichen Maßstäben. Als Voraussetzung müssen angehende Solarteure eine abgeschlossene Gesellen- oder Meisterprüfung in einem einschlägigen Berufszweig, etwa aus dem Dachdecker-, Heizungsbauer-, Elektrotechnik- oder Sanitärinstallateurshandwerk vorweisen können sowie mindestens zwei Jahre Berufspraxis mitbringen. Die Weiterbildung dauert 200 Stunden und wird mit einer Prüfung abgeschlossen.

Insgesamt sind die Ausbildungsinhalte umfangreich, denn Solarteure müssen auf das berufsspezifische Wissen unterschiedlicher Branchen zurückgreifen. Wie funktionieren die elektrischen Komponenten des zu installierenden Systems? Wie viel Fläche steht für die Nutzung zur Verfügung? Die Auszubildenden müssen etwas über Halbleitertechnik wissen und sich mit aktiver Energienutzung auskennen. Auch die unterschiedlichen Heizungssysteme oder die Nutzungs- und Wirkungsgrade müssen sie verstehen.

Technisches Verständnis sollte also vorhanden sein. Aber nicht nur das: Die Solateure sollten auch schwindelfrei sein, denn die Montage der Anlagen erfolgt oft in großer Höhe. Während der Ausbildung wird in einer großen Halle auf Übungsdächern trainiert, erzählt Gabriele Poth. Das Risiko, das mit dem Arbeiten auf Dächern einhergeht, ist wohl die einzige Schattenseite an diesem Job, der sonst vor allem abwechslungsreich ist und in dem viel Eigenverantwortung gefragt ist. "Solarteure müssen vor Ort entscheiden, wie sie vorgehen. Jedes Haus ist anders, insofern ist jeder Auftrag eine neue Herausforderung", sagt Poth. In den vergangenen Wochen ist das Interesse an der Weiterbildung übrigens noch einmal durch die aktuelle Debatte um den Atomausstieg gestiegen. Gabriele Poth freut das natürlich. "Die aktuelle Diskussion um die Kernkraft wird der Branche sicherlich in die Karten spielen. Derzeit ist noch nicht messbar, ob dadurch ein erneuter Anstieg der Auftragslage zustande kommt, es ist aber wohl davon auszugehen, dass unsere Branche zukünftig noch mehr Umsatz machen wird."

  • Verdienst: variiert, je nach Vorbildung zwischen 1600 und 2500 Euro/Brutto;
  • Ausbildung: Weiterbildung zur Fachkraft für Solartechnik/Solarteur, einschlägige Berufausbildung erforderlich;
  • Arbeitszeit: 37,5 bis 40 Stunden/Woche;