Bei McDonald's gibt es den "Mitarbeiter des Monats", in der DDR gab es den "Helden der Arbeit": Verdiente Mitarbeiter mit Preisen zu ehren, ist im Kapitalismus genauso üblich, wie es im Kommunismus war.

Aber welche Folgen haben Auszeichnungen für die Einsatzbereitschaft von Menschen ? Diese Frage können Wirtschaftswissenschaftler bislang kaum beantworten. Ihre Forschung kreist traditionell um monetäre Anreize, für weiche Faktoren wie Ruhm und Ehre war da lange kein Platz.

Das hat sich erst mit dem Züricher Professor Bruno Frey geändert. Er war der erste Volkswirt, der vor wenigen Jahren das Thema entdeckt hat. Jetzt hat ein Forscherteam aus Frankfurt und Mannheim eine empirische Feldstudie zu den Anreizwirkungen von Ehrungen veröffentlicht. Michael Kosfeld (Uni Frankfurt) und Susanne Neckermann (ZEW Mannheimer), haben dabei mit der Schweizer Sektion der amerikanischen Hilfsorganisation Hunger Project zusammengearbeitet und eine Studie mit dem Titel Getting More Work for Nothing? Symbolic Awards and Worker Performance veröffentlicht.

Der gemeinnützige Verein, der Spenden für Projekte gegen den Hunger in der Dritten Welt sammelt, hat 2008 eine Datenbank mit detaillierten Informationen über alle 1600 deutschsprachigen Gemeinden in der Schweiz aufgebaut.

Die beiden Wissenschaftler spannten 150 Studenten ein, die für das Hunger Project im Internet die Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen aller Bürgermeister und Gemeindevorsteher recherchierten.

Die Studenten wussten nicht, dass sie an einem ökonomischen Experiment teilnahmen. Sie hatten sich auf eine Stellenanzeige gemeldet, die für zwei Stunden Internetrecherche 45 Schweizer Franken, also etwa 35 Euro versprach. Das Geld erhielten die Studenten unabhängig von ihrer individuellen Leistung. Auch wer zwei Stunden privat im Internet gesurft und keine Daten eingegeben hätte, wäre voll bezahlt worden.

Die eine Hälfte der Studenten erfuhr bei der Einweisung in die Aufgaben, dass die beiden fleißigsten Rechercheure an Ende eine Urkunde mit Dank erhalten. Die Kriterien, an denen die Leistung gemessen wurde, ließen die Forscher bewusst offen, machten aber deutlich, dass diese Ehrung keinerlei materiellen Wert besaß.

Dennoch spornte diese Auszeichnung die Studenten spürbar an . Jeder von ihnen recherchierte in den zwei Stunden im Schnitt die Daten für etwas mehr als 30 Gemeinden, in der Kontrollgruppe ohne Auszeichnung waren es nur 27. "Die Produktivität in der Gruppe mit Auszeichnung war im Schnitt rund zwölf Prozent höher", heißt es in der Studie. Abstriche bei der Qualität der gesammelten Informationen gab es nicht.

Um die gleiche Produktivitätssteigerung über höhere Löhne zu erreichen, hätte man den Studenten mindestens ein Drittel mehr Geld zahlen müssen, schätzen die Forscher.