Heute schon ein Osterlamm gesehen? In den Monaten Februar bis April werden nämlich die meisten Lämmer geboren. Dann haben Schäfer alle Hände voll zu tun. Ja, es gibt sie noch, die Schäfer, die mit korrekter Berufsbezeichnung Tierwirt mit der Fachrichtung Schäferei genannt werden. Viele sind es nicht mehr, doch vom Aussterben ist der Beruf auch nicht bedroht. Das sagt Christian Mendel, Leiter der Arbeitsgruppe Schafe an der bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

"Schäfer haben heute allerdings zwei Standbeine. Zum einen sind das die Zucht und der Verkauf von Schafsfellen, Lammfleisch und Wolle. Eine weitere Einnahmequelle ist die Pflege unserer Landschaft", sagt Mendel.

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Das traditionelle Berufsbild der Schäfer hat sich im Laufe der Zeit kaum verändert. Schäfer ziehen immer noch mit Herde und Hütehund von Weideplatz zu Weideplatz. Doch im Fokus ihrer Arbeit steht weniger die Landwirtschaft als der Naturschutz. "Es gibt viele offene Flächen in Deutschland. Viele Schäfer sind heute im Auftrag des Naturschutzes unterwegs und beweiden diese Flächen. Die Landschaftspflege wird aus öffentlichen Geldern bezahlt", sagt Mendel. In Mooren, auf Heideflächen und auch auf Truppenübungsplätzen kommen Schafsherden zum Einsatz.

Daneben bleibt die Schafszucht die Kernarbeit. "Im Frühjahr müssen Schäfer neben den täglichen Aufgaben, die zur Zucht gehören, auch noch nachts ran und bei der Geburt der Lämmer helfen. Das ist schon anstrengend", sagt Mendel. Überhaupt kommen Schäfer nur selten auf eine geregelte 40-Stunden-Woche, meist liegt die Arbeitszeit deutlich darüber.

Wie früher werden Hütehunde eingesetzt. Sie helfen beim Ein- und Austreiben der Tiere. Der Schäfer gibt Befehle, führt die Herde und die Hunde. Das kann eine Herausforderung sein, wenn viel befahrene Landstraßen beim Wechsel der Weideflächen überquert werden müssen.

Wie bei fast jedem landwirtschaftlichen Beruf ist auch Betriebswirtschaft wichtig. Wie kann kostengünstig hochwertiges Lammfleisch produziert werden? Woher kommen in den Wintermonaten Heu- und Maissilage? Dazu kommen das Beherrschen der gesetzlichen Vorgaben und umfangreiche Kenntnisse über den Naturschutz. Denn nicht jede Fläche darf gleichermaßen als Weidefläche genutzt werden.

Die Arbeit ist nicht wirklich körperlich anstrengend, dafür benötigen Schäfer eine hohe Aufmerksamkeitsspanne. Wirtschaftlich rentabel sind vor allem große Herden mit mehreren Hundert Schafen.

Der Beruf des Schäfers oder der Schäferin ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, eine Weiterbildung zum Schäfermeister oder Schäfermeisterin ist möglich. Zum Lehrstoff der Auszubildenden gehört unter anderem die Anatomie und Physiologie der Tiere, ihre Aufzucht, Haltung und Pflege. Auch Kenntnisse über Hütehunde, ihre Ausbildung und Hütetechniken werden vermittelt. Dazu kommen Betriebswirtschaft, Biologie, Naturschutz.

Je nach Region variiert die Nachfrage nach diesem Beruf. Etwa 90 Prozent der Schäfermeister arbeiten selbstständig, viele beschäftigen Angestellte. So romantisch die Vorstellungen des Berufes auch sind, die Bezahlung ist gering. Bis zu 1800 Euro Bruttomonatslohn verdienen Gesellen. Dafür erfordert der Beruf unregelmäßige Arbeitszeiten, Wochenend- und Nachtarbeit, alles das bei Wind und Wetter. Für Christian Mendel ist der Beruf des Schäfers trotzdem einer der schönsten. "Die Arbeit mit den Tieren ist anspruchsvoll und befriedigend zugleich. Dieser traditionelle Beruf ist einfach etwas Besonderes."

  • Gehalt: für Gesellen im Angestelltenverhältnis zwischen 1500 und 1800 Euro/Monat;
  • Arbeitszeit: variiert, jedoch überdurchschnittlich;
  • Ausbildung: staatlich anerkannte, duale Ausbildung, Dauer drei Jahre.