Mit einem Handyvertrag begann für Marco Haber* vor sieben Jahren die Misere. Es folgten unüberlegte Bestellungen bei Versandhäusern, das erste Auto auf Pump. Schnell war der Dispokredit am Limit, der erste Kredit folgte. Alles kein Problem, das Ausbildungsgehalt kam regelmäßig, die Raten konnten getilgt werden. Doch nach Beendigung der Ausbildung fand Haber keinen Job, er konnte seine laufenden Kosten nicht mehr bezahlen. Nach und nach verlor Haber den Überblick über seine Finanzen. Schließlich wandte er sich an einen Schuldnerberater, auch wenn das schwer fiel. "Man möchte sich selbst nicht eingestehen, dass man seine Finanzen nicht selbst auf die Reihe bekommt", sagt Haber.

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Heinrich-Wilhelm Buschkamp, Fachberater beim paritätischen Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen, kennt Schicksale wie das von Marco Haber zur Genüge. "Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie jemand in die Schuldenfalle geraten kann", sagt er. Jedoch sind bei Weitem nicht nur junge Menschen von Überschuldung betroffen. "Die Hauptgruppe machen die 40- bis 50-jährigen aus", sagt Buschkamp. Auch mit einem weiteren Vorurteil räumt er auf: Nicht alle haben deshalb Schulden, weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Oft stecken Schicksalsschläge hinter der finanziellen Krise. Der Verlust des Arbeitsplatzes, die Trennung vom Ehepartner oder eine schwere Krankheit. "Außerdem sinken seit Jahren die Reallöhne, zugleich steigen die Lebenshaltungskosten. Das können viele einfach nicht mehr stemmen", fügt Buschkamp an.

Die Leistungen der Schuldnerberater gehen von der einfachen Beratung bis hin zur gesamten Abwicklung inklusive des kompletten Schriftverkehrs und der Kontaktaufnahme mit den Gläubigern. Viele Klienten nehmen dieses Angebot dankbar an, denn sie wissen oft nicht, wie sie mit ihren Gläubigern oder den Banken reden müssen. Bezahlen brauchen sie für die Dienstleistung oft nicht. Schuldnerberatungen sind zumeist Angebote von Wohlfahrtsverbänden, Kommunen oder Verbraucherzentralen. Sie sind auch die Hauptarbeitgeber der Berater.

Die Arbeit der Berater verläuft ganz ähnlich wie in der beliebten Fernsehsendung mit Peter Zwegat dargestellt wird. Zunächst verschaffen sich die Berater einen Überblick.  Dafür führen sie intensive Gespräche mit den Klienten. Wie hoch sind die monatlichen Einnahmen und Ausgaben? Welche Gläubiger gibt es? Wie können die Schulden verringert werden? Welche rechtlichen Bestimmungen und Vorschriften müssen eingehalten werden? Funktioniert die Schuldenregulierung am Ende nur über ein Insolvenzverfahren ? Leider sei dieser Schritt oft nicht zu vermeiden , sagt Berater Buschkamp.

Verschwiegenheit, Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl sollten Schuldnerberater für ihre Arbeit mitbringen. Und analytisches Denken. Wo liegen die Ursachen? Stecken vielleicht noch andere Probleme hinter der Verschuldung? Auch eine hohe, soziale Kompetenz sowie rechtliches und betriebswirtschaftliches Wissen ist vonnöten.

Die Berufsbezeichnung Schuldnerberater ist übrigens nicht geschützt, im Prinzip darf sich jeder so nennen. Die meisten Berater kommen aus dem sozialpädagogischen Bereich und haben sich mit einer Weiterbildung auf die Arbeit vorbereitet. "Wer vorher Sozialpädagoge war, muss meist rechtliche und wirtschaftliche Kenntnisse nacharbeiten, Berater aus dem Wirtschafts- oder Rechtsbereich hingegen brauchen Kenntnisse aus der Sozialarbeit", sagt Buschkamp. Gerade wegen seiner Vielfältigkeit biete der Beruf Quereinsteigern gute Chancen.

Nicht selten ist die Arbeit für die Schuldnerberater allerdings psychisch herausfordernd. "Überschuldung hat auch immer mit der Konfrontation von persönlichen Schicksalen zu tun. Da muss man aufpassen, dass man sich die Geschichten nicht allzu sehr zu Herzen nimmt", sagt Buschkamp. Darum gehören der Austausch mit Kollegen und Supervisionen mit zum Berufsalltag dazu.

Für Heinrich-Wilhelm Buschkamp überwiegt jedoch das Positive an seinem Beruf. Menschen in einer Notsituation nicht allein zu lassen und ihnen aus dieser Lage herauszuhelfen, treibt ihn an. Hinzu kommt die große Dankbarkeit der meisten Klienten. "Das ist etwas ganz Besonderes", sagt der Berater. Auch Marco Haber ist dankbar. Er hat seine finanzielle Situation mittlerweile wieder im Griff und sagt: "Ohne die Hilfe des Schnuldnerberaters hätte ich es wohl nicht geschafft." 

*Name geändert

  • Gehalt: variiert, je nach Vorbildung und Arbeitgeber;
  • Arbeitszeit: ca. 40 Stunden/Woche;
  • Ausbildung: Weiterbildung, Vorkenntnisse aus einem sozialpädagogischen, betriebswirtschaftlichen oder rechtlichen Berufszweig von Vorteil;