"Der kleine Kerl kommt wahrscheinlich gerade aus dem Kongo", sagt Ommo Hüppop und zeigt auf einen Gartenrotschwanz. Der Vogel ist auf einem Zweig gelandet. Im Frühling und Frühsommer ist auf Deutschlands einziger Hochseeinsel in der Nordsee viel los. Als Knotenpunkt im Vogelzug ist Helgoland eine Art Heathrow für Vögel. Hüppop hat in dieser Zeit besonders viel zu tun, denn der Biologe arbeitet als Leiter der Inselstation des Instituts für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland".

Die Flugleistung von Zugvögeln wie dem Gartenrotschwanz beeindruckt den Ornithologen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören auch die möglichen Auswirkungen von Offshore-Windkraftanlagen auf den Vogelzug. Schon früh interessierte sich der 55-Jährige für Vögel. "Vögel sind farbenprächtig und tagaktiv. Das macht es so reizvoll, sie zu beobachten", sagt er.

Für seine Arbeit benötigt der Ornithologe viel Technik. Dazu gehören Peilsender für Zugrouten, Wärmebildkameras oder der Radar, um die Verteilung von Vögeln auf See und in der Luft zu erfassen. Studiert hat Hüppop Biologie, promoviert hat er in Zoologie. Die Promotion war Voraussetzung für die Stelle an der Inselstation, die er seit 1988 leitet. "Man braucht auch eine gute Artenkenntnis. Die lernt man weder in der Schule noch an der Uni", sagt der Vogelexperte. Man lerne es an Orten wie der Insel Helgoland.

Neben seiner eigenen Forschungstätigkeit koordiniert Hüppop wissenschaftliche Projekte, betreut Manuskripte und Publikationen und hat bis vor Kurzem auch an der Universität Hamburg unterrichtet. Für den Job auf der Hochseeinsel müsse man die Bereitschaft mitbringen, auf einer Insel zu wohnen und arbeiten, sagt er. Für ihn gibt es kaum einen reizvolleren Ort. Manche Bekannten hätten ihn zwar gefragt, was er auf Helgoland wolle, aber andere beneideten ihn um seinen Traumjob.

"Jetzt können wir raus in den Fanggarten gehen", sagt Hüppop, schlüpft aus den Sandalen in schwarze Clogs und öffnet die Tür in den Garten. Dort stehen ein Zivildienstleistender, zwei Freiwillige, die ein Ökologisches Jahr machen, sowie sein technischer Mitarbeiter bereit. In ihren Händen halten sie große Stoffbeutel. Damit gehen sie an ihre Ausgangspunkte. Hüppop erteilt schließlich das Kommando: "Und los!" Jetzt laufen die vier Mitarbeiter durch den Garten und rufen dabei laut "KschKschKsch".

Was seltsam anmutet, hat seinen Zweck: Inmitten der Sträucher, Büsche und Bäume sind drei große Fangreusen aufgebaut, die sich zum Ende zu einer Rampe verengen und in einer Box münden. Damit fangen die Mitarbeiter die Vögel, die im Garten Rast machen.

"Habt ihr einen Vogel?", fragt Hüppop als seine Mitarbeiter zurückkommen. Was andere als Beleidigung auffassen, gilt hier als Standardfrage. An diesem späten Nachmittag ist kein Vogel in die Fangreusen geflogen. Aber am Vormittag konnte das Team zwei Exemplare fangen, die sie bereits einmal zu fassen bekommen hatten. Auch haben die Ornithologen an diesem Tag bereits 82 Vögel beringt, Spitzenreiter war die Singdrossel mit 48 Exemplaren.