In letzter Zeit mal wieder einen richtig guten Film gesehen? Natürlich, die Leistungen von Schauspielern und Regisseur sind wichtig. Aber hinter den Kulissen werkeln noch ganz andere, die für den Erfolg eines Films verantwortlich sind: die Filmeditoren. Sie sind für den Schnitt zuständig und werden darum auch Monteure oder Schnittmeister genannt. Auch wenn nur die wenigsten Zuschauer bewusst darauf achten: Der Schnitt bestimmt, ob ein Film funktioniert oder nicht.

"Die wenigsten wissen, wie viel Arbeit in einem Film steckt, geschweige denn, wer die Arbeit macht", sagt Claudia Gleisner vom Vorstand des Bundesverband Filmschnitt Editor e.V.

Als Cutter, die beispielsweise in Redaktionen von Nachrichtensendungen arbeiten, wollen sich Filmeditoren jedoch nicht verstanden wissen. "Filme werden nicht nur bloß geschnitten, sie werden montiert. Es geht nicht darum, das man etwas herausschneidet, sondern darum, dass man den Film sucht, der in dem Rohmaterial vorhanden ist", sagt Gleisner.

Je nach Filmart unterscheiden sich daher die Herangehensweisen an ein Projekt. Kleinere Formate wie Werbe- oder Imagefilme werden mit dem Regisseur oder Autor zusammen bearbeitet. Bei Kinofilmen, für die es ein umfangreiches Drehbuch gibt, fängt die Schnittarbeit schon während des Drehs an. Der Szenenablauf folgt der Drehbuchvorlage, in der Regel erarbeitet ein Filmeditor daran den Rohschnitt allein. Erst nach Drehende wird die endgültige Version des Films zusammen mit dem Regisseur vorgenommen. Bei Dokumentarfilmen wiederum beginnt die Arbeit für den Schnittmeister erst nach Drehende.

So oder so besteht der erste Arbeitsschritt immer aus dem Sichten des Rohmaterials. "Das können bis zu 120 Stunden sein, daraus werden dann meistens maximal 90 Minuten Film. Man verbringt oft mehrere Wochen allein damit, das Material zu sichten", erzählt Gleisner. Dabei erarbeiten die Editoren das Konzept. Wie baut man den Film auf? Welche Dramaturgie soll der Film haben? Erst wenn das Konzept steht, folgt die Schnitt- und Montagearbeit, oft zusammen mit dem Regisseur oder Autor.

Heute wird fast nur noch digital am Computer gearbeitet. Das hat auch Auswirkungen auf die Menge des Materials. Noch in den neunziger Jahren war das anders. Analog zu drehen war teuer. Darum kamen höchstens um die 20 Stunden Rohmaterial für einen Kinofilm zusammen, heute ist es das Zehnfache. "Die Technik hat das Drehen günstiger gemacht, also wird auch mehr gedreht", sagt Gleisner.

Filmeditoren benötigen für ihren Job Geduld und die Fähigkeit, sich über einen langen Zeitraum konzentrieren zu können. Auch ein gutes Rhythmusgefühl ist ein Muss. "Jeder Film hat einen Rhythmus", sagt Gleisner. Wichtig ist auch Empathie. "Ein Film muss wirken, er muss emotional funktionieren. Ob mich ein Film zum Lachen, Weinen oder Staunen bringt – dafür ist auch die Montage entscheidend", sagt Gleisner.

Die meisten Filmeditoren haben ein Studium absolviert . Die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam bietet einen entsprechenden Studiengang an. Andere haben eine Ausbildung als Mediengestalter für Bild und Ton gemacht. Allerdings arbeiten die meisten Mediengestalter eher bei Werbe- oder Fernsehproduktionen und werden zumeist auch nur für die kurzen Formate eingesetzt.

Schwierige Joblage

Einige Filmeditoren sind bei größeren Produktionsfirmen oder Fernsehsendern angestellt, die meisten arbeiten aber freiberuflich. Im Journalismus finden Schnittmeister nur noch selten einen festen Job. Die meisten Sender haben besonders bei den festangestellten Cuttern Stellen reduziert . Wer sich als Freiberufler durchschlägt, hat es schwer. Die Honorare sind nicht gerade üppig.

"Es gibt viele Leute auf dem Markt, die Löhne werden gedrückt. Man muss sehen, dass man immer wieder neue Aufträge bekommt, um über die Runden zu kommen. Das macht den Job stressig", sagt Gleisner. 

Trotzdem würde sie keinen anderen Beruf haben wollen. "Man arbeitet über Wochen an einem Projekt, da taucht man richtig ab. Nach einigen Monaten hat man dann den fertigen Film und kann darauf ganz schön stolz sein – und dann auch mal wieder abschalten", erzählt die Filmeditorin. Apropos abschalten: Funktioniert das bei einem gemütlichen Filmabend auf der Couch auch oder kommt dann automatisch der Schnittmeister wieder hervor?

Gleisner lacht und sagt: "Einen guten Film erkenne ich daran, dass er mich berührt – und ich keine Sekunde über den Schnitt nachdenke."

  • Gehalt: Eine durchschnittliche Wochengage liegt zwischen 1.300 bis 1.700 Euro brutto
  • Arbeitszeit: variiert, je nach Auftragslage
  • Ausbildung: Studium oder staatlich geregelte Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton