Fast jeder fünfte Arbeitnehmer, der heute in Rente geht, muss sein Arbeitsleben aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig beenden und bekommt eine Erwerbsminderungsrente. Gering qualifizierte Arbeitnehmer sind dabei stärker gefährdet als Akademiker. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Studie des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).

Wissenschaftler werteten dafür die Daten von 127.000 Menschen aus, die 2008 eine Erwerbsminderungsrente bewilligt bekamen. Ihr Ergebnis: Vor allem die Qualifikation, aber auch Geschlecht und Wohnort beeinflussen die Wahrscheinlichkeit, arbeitsunfähig zu werden.

Sehr häufige Krankheiten sind Muskel-Skelett-Erkrankungen, etwa aufgrund schwerer körperlicher Arbeit, Erkrankungen von Herz und Kreislauf sowie psychische Leiden, ausgelöst durch Arbeitsverdichtung und Stress.

Ostdeutsche Männer ohne Berufsausbildung tragen das höchste Risiko, arbeitsunfähig zu werden. Es ist gut zehnmal so hoch wie bei männlichen Akademikern in den alten Bundesländern. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen tragen Männer mit geringer Qualifikation ein 14-fach höheres Risiko als Akademiker. Unter Frauen liege der Faktor je nach Qualifikation maximal beim Achtfachen. Auch bei Erkrankungen von Herz und Kreislauf sei der Unterschied erheblich. Spürbar kleiner falle der Unterschied dagegen bei psychischen Leiden aus, die immer häufiger zu Erwerbsminderungen führten.