Ich bin seit Mitte März als Werkstudent tätig. Meine Arbeitszeit beträgt 20 Stunden pro Woche, in den Semesterferien arbeite ich 40 Wochenstunden. Mein Vertrag ist bis zum 30. April 2012 befristet. Bezahlt werde ich nach dem Nordmetall-Tarifvertrag.

Auf meine Frage, ob auch ich Weihnachtsgeld bekomme, teilte mir die Personalabteilung mit: Studenten bekämen generell kein Weihnachtsgeld, anders als Festangestellte, Azubis und Trainees. Von einem Gleichbehandlungsgesetz hatte die Kollegin aus der Personalabteilung noch nie gehört. Darf mein Arbeitgeber mich als Werkstudenten von dieser Sonderzahlung ausschließen?, fragt Miriam Meyer.

Sehr geehrte Frau Meyer,

Weihnachtswünsche zu erfüllen kostet in der Regel viel Geld. Daher ist für etliche Arbeitnehmer das Weihnachtsgeld eine willkommene Leistung des Arbeitgebers. Und Sie haben Recht: Unternehmen dürfen ihre Angestellten untereinander im Prinzip nicht schlechter stellen, es sei denn, ein besonderer sachlicher Grund liegt vor.

Gerichte lehnen die schlechtere Behandlung zum Beispiel von Werkstudenten grundsätzlich ab. So stellte das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem Urteil klar, dass auch Studierende tariflich eingruppiert werden müssen (Az.: 1 ABR 68/07). Sie sind ganz normale Mitarbeiter, wie alle Arbeitnehmer des Betriebes, deshalb haben sie die gleichen Rechte.

Grundlage dafür ist der sogenannte Gleichbehandlungsgrundsatz. Er besagt, dass alle regelmäßigen Leistungen, Rechte und Regelungen über Arbeitsbedingungen für ALLE Mitarbeiter des Unternehmens gelten – außer es gibt einen besonderen sachlichen Grund für eine unterschiedliche Behandlung.

Ein solcher Grund könnte sein, dass einzelne Arbeitnehmer über besondere, herausragende Qualifikationen verfügen, die ihnen unter Umständen sogar eine besondere Bedeutung verleihen, etwa eine erhöhte Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach ihrer Arbeitskraft. Daraus könnte sich ein Anspruch ergeben, der im individuellen Arbeitsvertrag der Kollegen festgeschrieben wird. So sollen Arbeitgeber die Möglichkeit erhalten, diese Mitarbeiter besonders an das Unternehmen zu binden und zu motivieren.

Das darf aber nicht soweit gehen, dass Einzelne oder ganze Gruppen gar kein Weihnachtsgeld erhalten, während andere in den Genuss der Sonderzahlung kommen. Lediglich Unterschiede in der Höhe sind gerechtfertigt.

Für Sie bedeutet das: Ihr Arbeitgeber muss Ihnen aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes für den Zeitraum 15. März bis 31. Dezember 2011 anteilig die Weihnachtsgratifikation auszahlen, sofern keine anderen Bestimmungen aus Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag dem entgegenstehen.

Ihr Ulf Weigelt