"Sind die Schuhe abgelaufen, muss man nicht gleich neue kaufen. Denn bei jeder Absatzschwierigkeit steht der Schuster gern bereit" – soweit ein altes Sprichwort. Heute ist das leider nicht mehr so, bedauert der Schuhmachermeister Andreas Weiß aus Bremen. "Schuhe sind ein Wegwerfprodukt geworden. Die Anschaffungspreise sind niedrig, Reparaturen werden für industriell gefertigte Schuhe kaum in Auftrag gegeben." Von neuen Schuhen ganz zu schweigen: Abgesehen von Schuhmachern, die orthopädische Schuhe anfertigen, gebe es höchstens hundert Schuhmacher, die noch Maßanfertigungen machen.

Die Fertigung eines solchen Schuhs erfolgt in mehreren Arbeitsschritten. Mithilfe sogenannter Leisten – das sind Holzformen, die dem Fuß den Kunden nachempfunden sind – wird das Leder in die individuelle Fußform gebracht. Dabei wird unterschiedliches Leder verwendet: festes, dickes für die Innensohle, feineres für den Schaft.

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Zunächst wird der Außenschaft des Schuhs hergestellt. Er besteht aus mehreren Teilen, die miteinander verklebt oder vernäht werden. Danach folgt der Innenschaft, der als Futter des Schuhs dient. Er wird mit dem Außenschaft verbunden. Dann folgen die tragenden Teile eines Schuhs: die Innensohle, die auch Brandsohle heißt. Sie wird zusammen mit dem Schaft provisorisch mit Nägeln auf der Leiste befestigt und dann je nach Bedarf angepasst. "Schließlich vernähen oder verkleben wir beides", erklärt der Schuhmachermeister. Ganz zum Schluss bringt der Schuhmacher noch Laufsohle und Absatz an – fertig ist der maßgeschneiderte Schuh.

Bis ein Paar fertig ist, kann es schon mal 25 Stunden dauern. Je nach Material und Machart kosten solche Schuhe dann einige Hundert Euro. Trotz der hohen Preise: Vom Schuhmacherhandwerk allein kann Weiß seinen Betrieb nicht am Laufen halten. "Meist sind es nur drei Paar Schuhe, die ich im Monat herstelle. Ich lebe überwiegend von Reparaturen und andere Dienstleistungen wie Schlüsselanfertigungen", sagt er. 

Ausbildung als Grundlage zum Modestudium

Für das Schuhmacherhandwerk werden Fingerfertigkeit, Geduld und ein gutes Augenmaß benötigt. Die Ausbildung ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Anatomie – schließlich müssen die Lehrlinge gut über den menschlichen Fuß Bescheid wissen – oder Materialkunde, wo die Auszubildenden Leder und Klebstoffe kennenlernen.

Wer den Abschluss schafft, darf sich Schuhmachergeselle nennen. Anschließend ist eine Weiterbildung zum Meister möglich. Die Zahl der Schuhmacher ging in den letzten Jahren stetig zurück, die Berufsaussichten könnten besser sein. Entsprechend sinkt Jahr für Jahr die Zahl der Auszubildenden. Allerdings haben besonders Frauen den Beruf in den letzten Jahren für sich entdeckt. "Oft dient die Ausbildung als Grundlage für ein spätere Modedesign-Studium", sagt Weiß.

Um den Fortbestand seiner Zunft fürchtet Weiß dennoch nicht. Handgefertigte Schuhe werden wieder nachgefragt. "Unseren Beruf wird es immer geben – allerdings als Nischenberuf", sagt Schuhmachermeister Weiß. Er selbst könnte sich keinen anderen Job vorstellen. "Man fertigt ein Produkt von A bis Z in Handarbeit an und man schafft etwas Individuelles, das sehr lange hält. Das ist schon etwas Besonderes."

  • Gehalt: ab 1.600 Euro brutto;
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden/Woche;
  • Ausbildung: staatlich anerkannte, duale, dreijährige Ausbildung