Geschickt flechtet Thorsten Heine das Wirrwarr aus Zweigen zusammen. Nach wenigen Minuten ist ein Boden für einen runden Dekorationskorb fertig. Heine ist ausgebildeter Korbflechter, oder, wie der Beruf seit 2006 heißt, Flechtwerkgestalter. "Der Begriff ist treffender für dieses Handwerk", sagt er.

Heine kann davon gut leben . Er stellt nicht nur Körbe her und vertreibt diese, er repariert auch allerlei Geflochtenes und gibt Seminare. Das Handwerk gilt als entspannend – und kreativ. Viele Menschen wollen das Flechten als Hobby erlernen. Eine Marktlücke für die wenigen noch aktiven Korbflechter. Neben Körben in allen erdenklichen Formen und Größen stellen sie nämlich auch Trennwände für den Innenraum und geflochtene Zäune her. Immer mehr an Popularität gewinnt die sogenannte Lebendflechterei. Dabei werden lebendige Weiden, die gerade geerntet wurden und noch nicht getrocknet sind, wieder in den Boden gesteckt und anschließend verflochten. Die Weiden treiben dann wieder aus und bilden eine Art lebende, miteinander verflochtene Hecke. "Auf diese Weise entstehen lebendige Bauten, manche machen daraus sogar lebendige Kunstobjekte", sagt Heine.

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Er selbst verwendet neben Weiden auch Pettichrohr, Rattan, Kiefernwurzeln, Haselnussholz und Bambus. Heine liebt das traditionelle Handwerk. "Der Beruf ist Jahrtausende alt. Bis heute gibt es keine Maschinen, die die Arbeit so gut verrichten können wie der Mensch", sagt er. Lediglich Flechtwerk für die Sitzflächen von Stühlen würde industriell gefertigt. "Weidenzweige sind unregelmäßig und können an manchen Stellen brechen. Das können Maschinen kaum feststellen", erklärt der Korbflechter. Heine selbst ist eigentlich gelernter Schweißer. Dann kam er mit der Korbflechterei in Kontakt – und gab seinen alten Job für das Handwerk auf.

Korbflechter brauchen gerade einmal sechs Werkzeuge: Schere, Zollstock, Messer, Schlageisen sowie einen Ausstecher – das ist ein spezielles Messer mit breiter Spitze – und einen Pfriem,  eine Art Dorn. "Das wichtigste sind fähige Hände", sagt Heine.

Der Beruf ist staatlich anerkannt. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Auszubildenden lernen die verschiedenen Flechtarten und die zu gebrauchenden Materialien kennen. Bundesweit gibt es mit der staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels aber nur noch eine Schule, die ausbildet. Nach der Ausbildung kann eine Weiterbildung zum Meister absolviert werden. Viele Korbflechter gibt es in Deutschland dennoch nicht mehr. Auf etwa 500 Hauptberufliche schätzt Heine die Zahl der Kollegen bundesweit.

Vom Aussterben ist der Berufsstand aber nicht bedroht, im Gegenteil. "Das Handwerk wird gerade wiederentdeckt. Viele Menschen wollen nachhaltige Produkte kaufen, die sehr lange halten. Ein handgeflochtener Korb ist zu 100 Prozent ein Naturprodukt", sagt Heine. Aus der Region kommen Heines Produkte ebenfalls: Über 80 verschiedene Weidensorten baut er an, erntet jeden Zweig selbst und verarbeitet ihn. "Der Beruf produziert keinen Müll und keine Abgase", sagt Heine.

Einzige Schattenseite sei für ihn, dass die Arbeit überwiegend im Sitzen erledigt wird. Das geht auf den Rücken. Dafür stecke viel Kreativität in dem Beruf. Für ihn ist der Job deshalb nicht nur reines Handwerk, sondern auch Kunst. "Wenn Liebe in die Flechterei hineinfließt, dann macht der Beruf erst richtig Spaß", sagt der Korbflechter und lächelt.

  • Gehalt: variiert;
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden/Woche;
  • Ausbildung: staatlich anerkannt, Dauer drei Jahre;