Christian Strauß geht täglich zu Prostituierten. Daraus macht er keinen Hehl. Warum auch, es ist schließlich sein Job. Ein Schelm, wer jetzt schmutzige Gedanken hegt. Nein, Strauß ist kein Freier, er ist als Erotik-Bringdienst auf Hamburgs sündiger Meile schlicht dienstlich unterwegs. Von Kondomen über Dildos, Gleitcreme, Pornos und Gummipuppen liefert er alles auf Bestellung, was Hamburgs Damen aus dem horizontalen Gewerbe für ihre Arbeit benötigen.

Nüchtern betrachtet ist er ein gewöhnlicher Lieferant für gewerbliche Gebrauchsgegenstände, sich selbst nennt er Erotik-Butler. So nennen ihn auch seine Kundinnen. Sein Service ist für sie eine Erleichterung. "Die Freier kommen und gehen, da können sich die Damen nicht erlauben, zwischendurch auf Einkaufstour zu gehen. Ansonsten verpassen sie womöglich einen Kunden", sagt Strauß.

Ungewöhnlich findet Strauß seinen Job nicht. Vormittags prüft er die Bestellungen und plant dann die abendliche Route für die Lieferungen. Am Nachmittag besorgt er die gewünschten Produkte im Erotikgroßhandel. Am frühen Abend liefert er die Ware schließlich aus – gerade rechtzeitig, ehe für seine Kundinnen selbst der Arbeitstag beginnt. Um etwa 22 Uhr endet sein Arbeitstag. Mehrere hundert Stammkundinnnen hat Strauß in ganz Hamburg.

Aus Langeweile sei er an diesen Job gekommen, erzählt Strauß. Eigentlich ist er gelernter Maschinenschlosser. Doch dann suchte eine Firma, die Erotikartikel vertreibt, einen Lieferanten. Strauß fand die Idee lustig, bewarb sich – und bekam die Zusage.

Am ersten Tag stellte er sich den Kundinnen vor und bekam sofort die ersten Bestellungen. Anfangs sei der Job "ein bisschen komisch" gewesen, erinnert sich Strauß. Kontakt zum Rotlichtmilieu hatte er bis dahin nicht. "Wenn man aus dem normalen Leben kommt, dann ist das schon sehr ungewöhnlich."

Klischeehafte Vorstellungen

Vor allem seine Freundin musste sich an den neuen Job gewöhnen. Streitpunkt war allerdings die späte Arbeitszeit, nicht etwaige Eifersucht auf die Kundinnen. "Das ist ja nur ein Job. Ich liefere da etwas hin. Aber wenn man in der Erotikbranche arbeitet, muss auch der Partner damit klarkommen", sagt Strauß. Schwierig sei, dass viele Menschen mit Unverständnis oder klischeehaften Vorstellungen auf seinen Beruf reagieren.

Mittlerweile hat sich der Erotik-Butler an die Begleitumstände seines Jobs gewöhnt. In Sachen Sex-Spielzeug schockiere ihn nichts mehr. "Es ist eher anders herum: Neulich bekam ich die Anfrage, ob ich einen Sack Kartoffeln aus dem Supermarkt mitbringen könne. Da musste ich erst einmal nachfragen. Die Kundin hatte aber einfach nur Hunger und wollte sich etwas kochen", sagt Strauß und lacht.

Nur neulich, da sei er doch in Erklärungsnöte gekommen, erzählt er dann. Als er nach einem Einkauf im Großmarkt in eine Polizeikontrolle geriet und den Verbandskasten und das Warndreieck aus dem mit Liebesspielzeug voll beladenen Kofferraum kramen musste. Es kam, was kommen musste: Dutzende DVDs mit Pornofilmen, mehrere Vibratoren und Packungen mit Präservativen kullerten meterweit über den Asphalt. "Ich musste erst einmal die Kondome und Dildos einsammeln, die auf die Straße gefallen waren, bevor ich zeigen konnte, was die Polizisten eigentlich sehen wollten. Die hatten aber anscheinend schon genug gesehen und wünschten mit hochrotem Kopf eine gute Weiterfahrt."