Millionen Singles suchen im Internet nach der großen Liebe. Doch ob Amors Pfeil trifft, bestimmt nicht nur das passende Online-Profil. Für die Zuneigung zwischen zwei Menschen sind auch bestimmte Duftstoffe wichtig, die jeder unbewusst an seine Umgebung abgibt. Wenn wir jemanden sympathisch finden, können wir ihn meist auch "gut riechen". Das brachte Andreas Reichert auf die Idee, eine etwas andere Partnervermittlung zu gründen. Reichert studiert Biotechnologie an der TU München. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Sarah Port und Sebastian Ullherr launchte der 26-Jährige die Online-Partnerbörse Gmatch , die Partnervorschläge aufgrund der Gene macht.

Nicht genau aufgrund der Gene, sondern aufgrund des genetisch bedingten Geruches eines Menschen. Das funktioniert so: Die Nutzer geben neben den üblichen Profildaten auch eine Speichelprobe per Wattestäbchen ab. "An dem Stäbchen finden sich dann jede Menge Zellen der Mundschleimhaut, von denen jede einzelne das Erbgut eines Menschen enthält", erklärt Reichert. In dem Erbgut finden die Forscher HLA-Gene (Human Leucocyte Antigen), die für den Geruch eines Menschen wichtig sind. Die Gene bilden nämlich Proteine, die dem Immunsystem helfen, Antikörper gegen Krankheitserreger zu bilden und sie so unschädlich zu machen. Je unterschiedlicher diese Gene zweier Menschen sind, desto besser sind ihre Nachkommen gegen Krankheiten gewappnet. Die Proteine wiederum werden im Laufe der Zeit abgebaut – und das ist über den Schweiß riechbar. "Über unseren Geruch transportieren wir also, wie unser Immunsystem beschaffen ist", sagt Reichert. "Man kann also jemanden besonders gut riechen, wenn dessen HLA-Gene sich möglichst von den eigenen unterscheiden."

Um die HLA-Gene zu untersuchen, isolieren Reichert und seine Kollegen die DNA aus den Zellen und vervielfältigen sie. "Wie bei einem Buch, bei dem man nur eine bestimmte Seite lesen will und diese deshalb kopiert. Dann wird die Seite übersetzt und heraus kommt eine Art Code." Den speisen die Unternehmensgründer in einen Algorithmus im Computer ein. "Damit gleichen wir die Genbereiche von zwei Personen miteinander ab und wissen dann, wie gut sie zueinander passen", sagt Reichert.

Per Punkteskala macht der Münchner die persönliche Duft-Visitenkarten der Nutzer online sichtbar. Innerhalb von fünf Sekunden wissen die Besucher der Partnerbörse, ob das Objekt der Begierde zu ihnen passt oder nicht, vorausgesetzt sie haben die Funktion "Matching" auf ihrem Profil aktiviert. Zehn Punkte zeigen das bestmögliche Ergebnis, bei einem Punkt ist es eventuell ratsam, auf ein persönliches Treffen zu verzichten.

Mehrere hundert Singles haben die neue Partnerbörse der Münchner Studenten schon ausprobiert. "Das älteste Mitglied ist eine ehemalige Uni-Professorin von 73 Jahren, die jüngsten sind knapp 19", erzählt der Unternehmensgründer. "Ich habe auch schon ein befreundetes Pärchen getestet, die hatten ein super Ergebnis und haben kurz darauf sogar geheiratet", sagt Reichert. "Meine Freundin und mich selbst habe ich bisher nicht getestet. Wir sind jetzt schon mehr als ein Jahr zusammen, da ich weiß, dass wir gut zueinander passen."

Lieber Karriere in der Forschung machen

Die reine Partnersuche ist kostenlos, wer auch Nachrichten schreiben möchte, kann das mit einer Standard-Mitgliedschaft für 19 Euro monatlich. Die Premium-Mitgliedschaft, die auch das genetische Matching beinhaltet, kostet einmalig 139 Euro. Dabei sind drei Monate Nutzung inklusive, für jeden weiteren Monat fallen 25 Euro an. Leben können die Studenten von ihrem Unternehmen allerdings nicht. Sie wollen es auch gar nicht, sondern streben eine Karriere als Forscher in der medizinischen Industrie an. "Wir machen über unsere Geschäftsidee viele wertvolle Erfahrungen als Unternehmer. Und die Gebühr von 139 Euro im Premium-Angebot gehen komplett für die Genanalyse drauf, die wir bei einer Firma in Auftrag geben, denn die hat die nötigen technischen Geräte", sagt Reichert. 

Neben ersten Berufserfahrungen erhalten sie kuriose Einblicke in die Leben anderer Menschen. Einmal suchte eine Frau gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrem Exmann die Studenten auf. "Sie bat mich, alle drei zu testen, um zu sehen, welcher der beiden Herren besser zu ihr passt", erzählt Reichert. Gepasst haben beide, der aktuelle Ehemann lag nur um einen Punkt vorne. Eine Garantie für eine erfolgreiche Partnersuche oder eine lang andauernde Beziehung könne Gmatch aber nicht geben. Für viele Nutzer sei die genetische Duftmarke eine weitere hilfreiche Information, mehr über das unbekannte Gegenüber zu erfahren. "Ein Kunde hat mir erzählt, er sei mit diesem Wissen weniger schüchtern in die Treffen hineingegangen", sagt der Gründer. Romantisch findet der Student das Matching übrigens selbst nicht. "Aber es spiegelt nur das biologische Prinzip wider, das auch in der Realität tagtäglich abläuft."