Coaching für die Liebe

Trennen oder zusammenraufen? Diese Frage stellt sich Paaren, wenn es in der Partnerschaft nicht mehr funktioniert. Aber oft sind beide nicht in der Lage, die Probleme objektiv zu benennen. Ein Mediator muss her. Dies ist der Job für einen Paarberater .

"Bei uns geht es nicht darum, wer Schuld hat", sagt Bernd Nickel . Er ist psychologischer Berater und hat sich auf Partnerschaften spezialisiert. Zu Beginn jeder Beratung klärt er mit dem Paar den Auftrag: Was ist das Problem, welches Ziel soll erreicht werden und was soll innerhalb der Beratung passieren? Der oberste Grundsatz für den Vermittler ist dabei, neutral zu bleiben – Parteilichkeit für einen von beiden ist verboten. "Wir werten und bewerten nicht, wir sind gegenüber dem Paar, seinem Problem und seiner angestrebten Lösung absolut neutral."

Die häufigsten Beziehungsprobleme sind ständiger Streit oder ständige Kritik, Seitensprünge , unterschiedliche Sexualbedürfnisse oder mangelnde Harmonie innerhalb der Beziehung. Probleme, die selbst die größte Liebe zermürben können. Meist haben sich die Konflikte emotional hochgeschaukelt. Das Paar befindet sich in einer Spirale negativer Gefühle. Ein destruktives Verhaltensmuster schleicht sich ein, in dem beide wie gefangen scheinen und kaum Spielraum für neue Wege finden.

Selbstanalyse unter Anleitung eines Unbefangenen

Dann helfe zunächst Abstand, Verlangsamung und Besinnung. Der erste Schritt dazu ist der Gang zum Paarberater. Der unbefangene Dritte gibt beiden Partnern die Möglichkeit, in Ruhe auf die Situation zu schauen.

Klingt einfach, ist es aber nicht immer. "Keine Paarberatung ist wie die andere. Jedes Gespräch ist so individuell wie die Menschen, die zur Beratung kommen", sagt Nickel.

Das Gespräch wird so geführt, dass beide Partner ein Verständnis für einander entwickeln und auf das Bedürfnis des anderen eingehen. "Wir geben keine Ratschläge, sondern finden heraus, was der eine benötigt, um zu verstehen, was der andere möchte", sagt Nickel. Auf diese Weise kommen die Paare selbst zu einem Ergebnis, finden selbst Mut und Kraft, neue Verhaltensmuster auszuprobieren. So entsteht auch wieder Nähe. "Die Partner wissen selbst, was für sie am Besten ist, sie sind Experten in eigener Sache, nicht wir Berater", sagt Nickel. Dieser Ansatz wird systemorientierte Beratung genannt. Nickel ist überzeugt, dass nur so Erfolgschancen bestehen. "Wenn wir Berater eine Lösung vorgeben würden, wäre das unsere Lösung – aber nicht zwangsläufig auch eine Lösung für das Paar."

Unterschied zwischen Therapie und Beratung

Um als Berater für Partnerschaft arbeiten zu können, braucht man Menschenverständnis, Geduld und Empathie. Viele haben Psychologie oder Pädagogik studiert, einige sind ausgebildete Psychotherapeuten, andere sind über eine psychologische Coachingausbildung zu dem Beruf gekommen. Verschiedene Universitäten und Hochschulen bieten eine weiterbildende Ausbildung zur Paarberatung an.

Berater sind allerdings nicht gleich Therapeuten: Einer Paartherapie liegt zumeist ein ernstes Krankheitsbild zugrunde, das von einem der Partner nicht aus eigenen Stücken beseitigt werden kann – beispielsweise eine psychische Erkrankung. Bei einer Paarberatung dagegen suchen die Partner Hilfe, um an einem Problem gemeinsam zu arbeiten, das nicht als Krankheit einzustufen ist.

Viele Berater sind Freiberufler mit eigener Praxis. Es gibt aber auch Berater, die fest angestellt sind – beispielsweise in einer städtischen oder kirchlichen Beratungseinrichtung.

Professionelle Distanz ist wichtig

Ganz einfach ist die Arbeit nicht. Wie in den meisten sozialen Berufen braucht es Abgrenzung, damit die Probleme der Klienten nicht zur Belastung werden. "Wir fühlen natürlich mit, aber wir müssen natürlich eine professionelle Distanz behalten", sagt Nickel.

Umso schöner sei es dann, wenn die Beratung erfolgreich war und die Klienten wieder zueinander finden. "Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man zwei Menschen eine Zeit intensiv begleitet hat und ihnen helfen konnte, wieder zusammenzukommen."

  • Gehalt: variiert;
  • Arbeitszeit: variiert;
  • Ausbildung: Weiterbildung an einer Universität oder Fachhochschule