Die Pyramiden in Ägypten , das Kolosseum in Rom – diese Bauwerke sind mehr als 2.000 Jahre alt und stehen noch immer. Ohne die geübten Hände von Steinmetzen, die lediglich mit Hammer und Meißel ausgerüstet Tausende von Felsbrocken zu geometrischen Steinquadern bearbeiteten, hätten sie wohl kaum die Zeit überdauert.

"Unser Handwerk ist sozusagen in Stein gemeißelt: Unseren Beruf gibt es seit Jahrtausenden. Und es wird ihn weiterhin geben", sagt Klaus Voss, Steinmetz und Steinbildhauer, mit Stolz.

Am Arbeitsprinzip hat sich in den Jahrtausenden nichts verändert: Ein Stein wird durch Kantenbearbeitung in die gewünschte Form gebracht. Allerdings haben sich die Werkzeuge weiterentwickelt. War in der Antike noch Schlag für Schlag mit dem Hammer auf einen Meißel nötig, so erleichtert heute ein mit Pressluft getriebener Hammer mit integriertem Meißel die Arbeit. "Trotzdem muss man die Arbeit mit Hammer und Meißel immer noch beherrschen. Bei besonders feinen Arbeiten braucht man sie noch", sagt Voss.

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Steinmetze arbeiten für den Gebäude- oder Straßenbau, sie fertigen Grabsteine, Fassadenteile, Skulpturen, Plastiken, Fußböden, Treppen und Arbeitsplatten für Küchen an. Bei Aufträgen vom Architekten für den Straßen- oder Hausbau werden die Bauteile streng nach Vorgabe gefertigt. Bei anderen Arbeiten haben Steinmetze kreativen Spielraum. Steinmetz Voss gestaltet in seinem Unternehmen vieles auf Kundenwunsch – ob Grabstein oder Tischplatte. Zusammen mit den Kunden wählt er das Material aus und fertigt dann mehrere Entwürfe an. "Wir müssen gut zeichnen können. Bei uns gibt es ja nichts von der Stange, viele unserer Arbeiten sind Unikate."

Neben künstlerischen und handwerklichen Talent braucht man in diesem Job auch eine gute körperliche Konstitution – schließlich kostet die Arbeit am Stein Kraft. Räumliches Vorstellungsvermögen, ein hohes Maß an Sorgfalt und auch Improvisationstalent runden das Anforderungsprofil ab. "Wir machen uns auch über die Logistik Gedanken. Man muss vorher planen, wie eine mehrere hundert Kilo schwere Küchenplatte in den zweiten Stock befördert werden kann."

Die staatlich anerkannte Ausbildung zum Steinmetz dauert drei Jahre. Unterschieden werden muss zwischen den Fachrichtungen Steinmetz und Steinbildhauer. Letzterer beschäftigt sich vor allem mit dem Anfertigen von Skulpturen und Plastiken, während Steinmetze eher Arbeiten mit bautechnischem Hintergrund anfertigen. Beide Fachrichtungen absolvieren die ersten beiden Ausbildungsjahre gemeinsam, erst im dritten Ausbildungsjahr spezialisieren sich die Auszubildenden. "Das Wissen, das für den Beruf des Steinmetz nötig ist, wird oft unterschätzt. Viele denken: Da habe ich einen Stein, den bearbeite ich, und gut. So einfach ist das aber nicht", sagt Voss. Auf dem Lehrplan stehen Fächer wie Stil- und Gesteinskunde, Mathematik und Geometrie.

Die Ausbildung wird mit einer theoretischen und praktischen Prüfung samt Anfertigung eines Gesellenstückes abgeschlossen. Später ist eine Meisterausbildung möglich. Viele Abiturienten wählen die Ausbildung zum Steinmetz als Grundlage für ein Kunst- oder Architekturstudium. "Nachwuchsprobleme gibt es nicht, ganz im Gegenteil, es gibt leider zu wenig Stellen für Steinmetze", sagt Voss.

Entsprechend sind die Berufsaussichten nicht rosig. Hinzukommen die Schattenseiten im Beruf: Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll, das Arbeiten mit dem Presslufthammer geht zu Lasten der Gelenke. Auch Schmutz und Staub sind eine Belastung, außerdem ist die Arbeit teilweise gefährlich. Es kommt vor, dass Steine bei der Bearbeitung brechen oder fallen. Darum spielt der Arbeitsschutz in der Ausbildung eine große Rolle. "Sicherheitsschuhe und Sicherheitsbrille während der Arbeit sind Pflicht", sagt Voss.

Trotz aller Widrigkeiten würde der Steinmetz jungen Menschen zu diesem Beruf raten. "Die Arbeit als Steinmetz ist wunderbar kreativ!"

  • Gehalt: 2.500 bis 3.000 Euro/brutto;
  • Ausbildung: duale Ausbildung zum Steinmetz, Dauer: drei Jahre;
  • Arbeitszeit: 40 Stunden/Woche