Doug Savage wollte immer Comiczeichner werden . Doch sein Berufsleben verlief anders. Der Kanadier arbeitet in einem großen Unternehmen als Texter von Software-Handbüchern. Nicht gerade der kreativste Job, findet er. Schon befürchtete er, an Gehirnschwund zu leiden und unfreiwillig zu einer "lebenslänglichen mirgränegeplagten Büromonotonie" verdonnert worden zu sein.

An einem Tag im Oktober 2004 fand er eher zufällig sein ganz eigenes Geheimnis, wie man im Büro überlebt. Er kritzelte einen Comic auf einen gelben Post-it-Zettel. Das Bild zeigte zwei Hühner. Aber nicht irgendwelche Hühner – sondern Bürohühner, die ihre Jobs hassen und einen Boss haben, der ein dämlicher Roboter ist. Da bleibt nur Sarkasmus. Für Savage die ideale Form, seine Zeichenleidenschaft auszuleben und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Binnen weniger Wochen erfand er allerhand Geschichten um die frustrierten Bürohühner, in denen sich fast jeder Berufstätige wiederfindet.

Auf einem Comic-Post-It ist das Huhn in der Morgen-Rush-Hour zu sehen. "Zum Kotzen, dass ich mich zu einem Ort durchkämpfen muss, wo ich gar nicht hin will", denkt es. Auf einem anderen tröstet der Computerbildschirm das überraschte Bürohuhn: "Falls es Dich tröstet: Mir steht's auch bis hier, Dich den ganzen Tag anzustarren."

Von den Einzelbildern kam Savage schnell zu ganzen Comicstrips – allesamt auf einem Post-it. Zum Beispiel eine mehrteilige Serie zur Frage: Wie werde ich befördert? Lektion 1, lehren die Bürohühner, lautet zu allen Ja sagen und dabei Überzeugung heucheln. Das erste Huhn sagt begeistert: "Eine hervorragende Idee", das zweite Huhn findet: "Das geht genau in die richtige Richtung". Da kann der Boss dann nur sagen: "Ich check das mal durch."

Bei Savages Kollegen kamen die Büro-Comics gut an. Und nicht nur bei ihnen. Anfang 2005 stellte er die Bilder in sein privates Blog, von da an verbreiteten sich die Hühnercomics im Netz und fanden Millionen von Fans. Seither erscheinen die Bürohühner von Montag bei Freitag unter www.savagechickens.com – und jetzt gibt es die besten auch als Comicbuch, übersetzt wurde es von Ruth Keen. Wir zeigen eine kleine Auswahl.