Alexander Mädches E-Mail-Postfach, es war chronisch verstopft: Wenn seine 400 Bachelor-Studenten Fragen hatten, schickten sie ihm eine Nachricht. "Viele Fragen wiederholten sich", sagt der Hochschullehrer. Und wenn er antwortete, dann immer einzeln und mit großem Zeitaufwand. Heute ist Mädches Mailverkehr überschaubar – die Studenten benutzen eine gemeinsame Internet-Plattform, um ihre Fragen zu stellen. Mädche antwortet zentral und spart eine Menge Zeit. "E-Mails", sagt der 38-Jährige, "sind für diese Art der Kommunikation einfach nicht erfunden worden."

Der Professor der Mannheimer BWL-Fakultät erforscht seit Jahren, wie Unternehmen Arbeitsabläufe vereinfachen und die Kommunikation verbessern können. Dafür, so ist er überzeugt, muss das Soziale und das Technische besser verzahnt werden. Was seiner Meinung nach in naher Zukunft Alltag für Millionen Arbeitnehmer sein wird, hat er in kleinem Maßstab an der Mannheim Business School (MBS) bereits umgesetzt: Ein internes soziales Netzwerk nach dem Vorbild von Facebook , LinkedIn und Co.

Auf einer virtuellen Pinnwand kann der Wirtschaftsinformatiker lesen, was seine Kollegen gerade umtreibt: Eine junge Forscherin freut sich, dass ihr Paper endlich veröffentlicht wird; ein Mitarbeiter berichtet von einer Konferenz; ein Student will wissen, ob er an einem Kurs teilnehmen kann. Mädche überfliegt die Neuigkeiten, dann tippt er die Daten seiner Dienstreise in der kommenden Woche in ein Formular – Sekunden später erscheint auf der Pinnwand ein Flugzeugsymbol, das seinen Kollegen die Abwesenheit ankündigt.

Kontaktpflege auch mit ehemaligem Personal

Mädche ist sicher: Ob im Vertrieb, der Produktentwicklung oder im Einkauf, " soziale Plattformen haben in Unternehmen ein riesiges Potenzial ". Das kleine, interne Netz an der MBS gebe nur einen Vorgeschmack auf das, was möglich sei. Wenn ein Mitarbeiter geht, bleibt er über Facebook angebunden

Soziale Netze ermöglichen es zum Beispiel Unternehmen, mit dem immer schnelleren Wechsel von Mitarbeitern besser klarzukommen. Denn wenn Angestellte die Firma verlassen, bleibt das, was sie in die Netzwerke eingespeist haben, bestehen. Die neuen Plattformen seien zudem ein gutes Instrument zur Kontaktpflege mit ehemaligem Personal – ein Thema, das oft vernachlässigt werde. "Die Alumni werden häufig zu potenziellen Kunden, ihre Empfehlungen sind das beste Marketing für Unternehmen", sagt Mädche.

Wenn der Direktor des Mannheimer Instituts für Enterprise Systems (InES) vorführen will, wie Geschäftsabläufe und soziale Interaktion über Unternehmensgrenzen hinweg verschmelzen können, schaltet er den riesigen Flachbildschirm an, der an seiner Bürowand hängt: Blau umrandet erscheint die Profilseite der imaginären Einkaufsmanagerin Jane Burton. Die Nachrichtenfunktion, die Pinnwand, die Kontaktliste – all das erinnert an Facebook.

Was die Plattform B-Zone, die in Kooperation mit dem Softwareunternehmen SAP entstanden ist, unterscheidet: "Die soziale Interaktion ist in geschäftliche Abläufe integriert."