Keith Krueger liebt das Abenteuer. Der gebürtige Kanadier arbeitet seit 35 Jahren als Polar-Pilot, hat sich mehr als drei Jahrzehnte durch den Schnee und das Eis der kanadischen Arktis gekämpft. Mittlerweile gehört auch die Antarktis zu seinem Einsatzgebiet . Und so pendelt der 63-Jährige jedes Jahr zwischen den Polen .

Von Dezember bis Februar steuert Krueger die Polar 6 – Deutschlands neustes und modernstes Messflugzeug. Der Job ist ein besonderes Highlight für den Nostalgiker. "Ich liebe es, die DC-3 zu fliegen. Das Modell ist ein Klassiker, in diesem Fall mit komplett neuem Equipment", sagt Krueger und lässt sich tief in die Couch auf der Neumayer-Station III sinken. Hier im antarktischen Küstengebiet legt er heute Nacht einen Zwischenstopp ein.

Nach einer kurzen Partie Billard ist die Arbeit fürs Erste getan. "Das Fliegen verlangt einem viel ab. Da weiß man solch kurze Entspannung zu schätzen", sagt er, schiebt die Brille hoch und reibt sich die Augen. Ob denn dann überhaupt Zeit bliebe, den Job zu genießen? "In der Luft bin ich völlig entspannt", sagt Krueger. Er liebe es, die Welt von oben zu betrachten. "Wenn Sie aus dem Fenster gucken, denken Sie vielleicht: Mensch, ist das weiß hier. Aber ich sehe die Farben des Eises, seine Struktur, seine Schönheit. Seit 42 Jahren schaue ich voller Andacht hinaus und habe mich nicht eine Minute gelangweilt."

Sommerurlaub am Strand mag er nicht

Als "Kind des Nordens", wie er sich selbst bezeichnet, liebt Krueger Schnee und Eis. Für Sommerurlaub am Strand hat er nichts übrig. "In meiner Freizeit fahre ich gern Ski – oder mit meinem Schneemobil", erzählt er. 

Am nächsten Morgen wird Krueger seine Passagiere sicher auf die Kohnen-Stationen im Inland fliegen müssen. Man braucht zwar keine spezielle Lizenz, um Polar-Pilot zu werden. Doch die Flugkapitäne werden mehrere Monate lang eingewiesen und müssen in der Lage sein, anhand der Sonne oder der Sterne zu navigieren. Weil die magnetischen Kompasse an den Polen nicht funktionieren, haben Polarflugzeuge einen Astro-Kompass, der einem Sextanten in der Schifffahrt ähnelt.

In all den Jahren hat Krueger gelernt, den Schnee zu lesen. Mal ist das Eis tiefer, mal dünner. Nur auf hart gefrorenem Untergrund können die Piloten landen. "Ich liebe es, Ski-Flugzeuge zu fliegen. Dann kann ich mir eine Stelle im Schnee ausgucken und die Landung darauf wagen ", sagt er. Sind es in Kanada oftmals Seen, die zur trickreichen Landebahn werden, muss Krueger in der Antarktis oft trotz "Whiteout" sicher auf Kohnen landen. Das Wetterphänomen tritt häufig in den Polargebieten auf, wenn es bewölkt ist. Boden und Himmel würden dann zu einer einzigen weißen Fläche verschmelzen. "Dann gibt es keine Kontraste mehr, die Landebahnen verschwinden im Nichts", erklärt der Pilot.

Ob seine Entscheidung zu landen richtig war, weiß der Pilot oft erst, wenn die Räder aufsetzen. "Das Eis birgt enorme Gefahren." Versteckte Risse, unterschätzter Tiefschnee und täuschend ebener Boden haben schon so manchen Unfall zur Folge gehabt. Vier Abstürze hat Krueger bislang überlebt. "Einer pro Jahrzehnt, ist doch ein guter Schnitt."