Auch andere Gruppen genießen bei der Bank besondere Aufmerksamkeit, etwa die schwul-lesbische Mitarbeitergruppe Arco. Durch den Respekt und die Wertschätzung, die man jedem Einzelnen entgegenbringt – ein Grundprinzip des Diversity-Ansatzes – fühlten sich die Betroffenen im Unternehmen besser aufgehoben, sagt Arco-Sprecher Christian Weiß. Noch immer gibt es Arbeitgeber, bei denen Schwule und Lesben Diskriminierung erfahren . Viele leiden unter nervenaufreibenden Versteckspielen. Das kostet Kraft. Diese Kräfte könnten die homosexuellen Mitarbeiter bei der Commerzbank ganz in ihre Arbeit investieren. Auch in anderen Bereichen gehen Diversity-Firmen gezielter auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ein als klassisch orientierte Firmen: Um Privates, Familie und Arbeit besser vereinbaren zu können, bieten sie möglichst flexible Lösungen an. Work-Life-Balance lautet das Schlagwort. Beim Thema Baby bekommt der Chef keinen Tobsuchtsanfall mehr, Eltern-Auszeiten werden nicht als Karrierehindernis, sondern als Selbstverständlichkeit angesehen. Firmenkindergärten und Vätergruppen tragen dazu dabei, dass sich das traditionelle Rollenbild ändert – zur Zufriedenheit aller Mitarbeiter. Diese schlägt sich auch in Zahlen nieder: So beobachteten Diversity-Firmen, dass sich elternbedingte Fehlzeiten verringerten, auch die Auszeiten nach der Baby-Pause wurden kürzer, frisch gebackene Eltern konnten früher wieder im Unternehmen integriert werden, teure Wiedereingliederungsmaßnahmen somit entfallen.

"Viele deutsche Firmen haben gemerkt, dass sie in Sachen Demografie, Geschlecht und Internationalität nicht mehr zukunftsfähig sind", sagt der Unternehmensberater und Diversity-Fachmann Hans Jablonski. Auch öffentliche Stellen gehören dazu. Hunderte Firmen und einige Kommunen wie Köln , Hamburg und Stuttgart haben daher die Charta der Vielfalt unterschrieben. Sie ist eine Absichtserklärung zur Förderung und Wertschätzung gesellschaftlicher Unterschiede. Schirmherrin der Bundesinitiative ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Vielfalt als Standortvorteil

Dabei tat sich gerade die CDU bislang schwer, die gesellschaftlichen Realitäten anzuerkennen. Erst im Herbst 2010 erklärte Horst Seehofer auf einem CDU-Parteitag, Multikulti sei tot . Einzelne Bundesländer und Kommunen sind da schon einen Schritt weiter. Die Stadt Stuttgart etwa, in der ein Drittel der Einwohner ihre Wurzeln anderswo hat, bemüht sich mit gezielten Trainings und Fortbildungen ein konfliktfreies und kreatives Zusammenleben aller Kulturen zu ermöglichen. Integration und Vielfalt gilt in Stuttgart als klarer Wirtschaftsfaktor, ja sogar als Standortvorteil.

In überregionalen Tageszeitungen lockt das Land Baden-Württemberg derzeit mit dem Spruch: "Es muss ein Rock durch Deutschland gehen." Ziel der Kampagne ist es, Frauen gezielt ins Land zu ziehen. Die Voraussetzungen dafür seien besser als anderswo: Überdurchschnittlich viele Frauen seien hier im Ländle nicht nur berufstätig, sondern auch am zufriedensten, lobt die Image-Anzeige.

Dennoch ist Diversity Management in den meisten Unternehmen bloß ein Schlagwort. Das beweisen nicht zuletzt die Statistiken über Frauen in Führungspositionen. Mit rund vier Prozent weiblichen Vorständen landet das Land der Dichter und Denker im Kreise der führenden Industrienationen auf dem letzten Rang. Gleichauf mit Indien .