Doch die Ministerin ist schon mehrfach durch Unkenntnis feministischer Theorien aufgefallen; ihr Buch ist eine intellektuelle Bankrotterklärung, die in der Anschuldigung gipfelt, der Feminismus dominiere wie eine Quasi-Religion die Debatte über die Gleichstellung der Geschlechter und blockiere somit den Fortschritt. Die notwendigen strukturellen Reformen gingen so langsam voran, weil jeder Versuch der Verständigung auf Schlachtfelder führe, schreibt die Ministerin.

Cover von "Danke, emanzipiert sind wir selber"

Nun könnte man einwenden, dass es der Job der Frauenministerin ist, für Chancengleichheit zu sorgen. Schließlich ist es nicht der Feminismus, der den Ausbau von Krippenplätzen, Ganztagsschulen oder Teilzeitstellen verhindert. Ist der Feminismus am Ende etwa am Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen Schuld? Hält der Feminismus Männer gar davon ab, sich an der Hausarbeit zu beteiligen?

Selbst darauf hat die Ministerin irrwitzige Antworten parat. Feministinnen hätten wenig dazu beigetragen, die Fesseln des traditionellen männlichen Rollenleitbildes zu lösen, behauptet Schröder. Während Frauen die Ehe als alternative oder ergänzende Karriere nutzen könnten, seien Männer quasi festgelegt auf den Beruf und zum Erfolg verdammt. Dabei wollten auch sie heute Familie und Beruf leben, aber die Arbeitswelt erwarte noch immer uneingeschränkte Verfügbarkeit von ihnen. Darum könnten sie sich an der Hausarbeit auch nicht vollumfänglich beteiligen. Ach so.

Teilzeit als Lösung der Gleichstellungsfrage

Dass es in Deutschland nach wie vor eine deutliche Differenz zwischen den Durchschnittsgehältern von Männern und Frauen gibt, findet Schröder zwar bedauerlich. Dennoch täten sich die Feministinnen keinen Gefallen damit, wenn sie Gleichheit mit dem Mann zum maßgeblichen Kriterium für Gleichberechtigung erklärten, schreibt sie. Außerdem verdienten Frauen ja vor allem deshalb so viel weniger als Männer, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiteten. Dafür hätten sie ja dann auch mehr Freizeit.

Teilzeitarbeit scheint für die Ministerin ohnehin der Königsweg zu sein. Wenn Männer und Frauen gemeinsam kämpften, gäbe es auch mehr Teilzeitstellen für alle. Damit werde die Gleichberechtigung letztlich erreicht, argumentiert die Ministerin. Jetzt müsse sich nur noch die Arbeitskultur ändern. Dafür wolle sie mit ihrer Politik werben. So sei Frauen mehr geholfen, als mit empörungsheischenden Anklagen gegen Männerbündelei in den Chefetagen, die bei den emanzipierten Töchtern des Feminismus zu Unbehagen führten.

Dabei ist es das Buch der Ministerin, das zu Unbehagen führt. Die Frauen in Deutschland brauchen keine Ministerin, die gegen imaginäre Feindbilder ankämpft. Sie brauchen eine lebensnahe Politik. Schröder sagt, sie wolle kein Vorbild sein und keine Politik von der Stange machen. Vielleicht sollte sie es lieber ganz sein lassen. Als Frauenministerin ist sie eine glatte Fehlbesetzung.