Kann ich eine Kündigung aussprechen, wenn eine meiner Mitarbeiterinnen sich weigert, mit einem Kollegen zusammenzuarbeiten?, fragt Otto Wolkau.

Sehr geehrter Herr Wolkau,

nein, Sie können in einem solchen Fall weder Ihrer Mitarbeiterin noch dem Mitarbeiter ohne weiteres kündigen.

Ein aktuelles Urteil des Magdeburger Arbeitsgerichts (Az.: 3 Ca 1917/11) zeigt genau auf, warum es hier für Arbeitgeber berechtigterweise Hürden gibt. In diesem Fall weigerten sich einige Mitarbeiter ebenfalls mit einem Kollegen zusammenzuarbeiten. Der Grund: Sein zu geringes Arbeitstempo hatte zur Folge, dass seine Arbeitsleistung zu dürftig war. Und das Arbeitstempo war den anderen Kollegen wichtig, denn als Lohnform war ein Leistungslohn vereinbart. Klar, dass damit ein Anreiz geschaffen wird und Mitarbeiter ihren Lohn durch schnelles Arbeitstempo aufbessern wollen.

Die Kollegen gingen sogar so weit, dass sie von ihrem Arbeitgeber verlangten, dass er den langsameren Mitarbeiter rausschmeißen sollte. Würde er dies nicht tun, würden zwei der sich beschwerenden Arbeitnehmer kündigen. Der Arbeitgeber fügte sich und kündigte dem vermeintlich langsamen Mitarbeiter.

Der zog berechtigterweise daraufhin vor das Arbeitsgericht und bekam auch Recht. Die Begründung der Richter: Arbeitnehmer sind nicht dazu verpflichtet, ihre Arbeit schnellstmöglich zu erledigen, sondern fehlerfrei. Und dabei schulden sie ihrem Arbeitgeber noch nicht einmal die objektiv durchschnittlichste Leistung. Sie sind nach dem § 243 des Bürgerlichen Gesetzbuches nur dazu verpflichtet, eine durchschnittliche Arbeitsleistung von mittlerer Art und Güte zu erbringen.

Nur wenn ein Mitarbeiter wesentlich weniger Leistung bringt, liegt ein Leistungsdefizit vor. Arbeitgeber können aber nicht sofort kündigen. Erst müssen sie den Low Performer abmahnen. Und Vorsicht: Sie als Arbeitgeber müssen im Streitfall konkret darlegen und beweisen können, was Sie an der Leistung Ihres Mitarbeiters bemängeln. Auch müssen Sie belegen, dass die Leistung unterdurchschnittlich ist. In der Praxis haben solche Kündigungen wenig Aussicht auf Erfolg.

Ihr Ulf Weigelt