Eigentlich ist Dorothee Meier* um ihre Karriere zu beneiden. Die 32-Jährige arbeitet für die Vereinten Nationen , hat sich gegen unzählige High Potentials durchgesetzt. Allerdings ist die Deutsche von ihrem Topjob bei den UN nicht nur begeistert. Fünf Mal ist sie in den letzten sechs Jahren für ihren Arbeitgeber umgezogen. Nun steht der sechste Umzug an. Bald läuft ihr Arbeitsvertrag nach nur zehn Monaten bei einer humanitären Organisation in Genf aus. Wo ihr nächster Job sein wird, ist noch unklar. Vielleicht in Afrika , vielleicht in Asien oder anderswo auf der Welt. Sie wird nehmen, was sie kriegen kann.

"Für internationale Organisationen zu arbeiten, ist nicht so glanzvoll, wie es sich mancher vielleicht vorstellt. Es gibt nur wenige Stellen. Mit Glück bekommt man einen Kurzzeitvertrag", sagt sie. Die Arbeit für die UN hatte sie sich als Studentin in Oxford mit dem Fach Internationale Beziehungen noch ganz anders vorgestellt. Damals träumte sie von der Karriere bei den Vereinten Nationen . Wollte die Welt verbessern und tat alles, was sie auf den Werdegang als UN-Mitarbeiterin vorbereitete. Sie arbeitete, gefördert von verschiedenen Stipendienprogrammen, in Afrika und Europa und absolvierte mehrere humanitäre Praktika in Ostafrika . Schließlich ergatterte sie tatsächlich eine Stelle in der Genfer Zentrale. Doch dann kam die Ernüchterung. Einsatz folgte auf Einsatz. Jedes Mal hangelte sie sich erneut von Vertrag zu Vertrag. Mittlerweile hat sie eine Familie gegründet.

Die Vereinbarkeit von UN-Job und Kind ist allerdings nicht einfach. Die vielen kurzen Befristungen sind eine Herausforderung – zumal jedes Mal ein Job in einem anderen Land ansteht. Meiers Mann, der ebenfalls für die internationale Organisation arbeitete, hat seit dem letzten Umzug keine neue Stelle mehr gefunden. "Offene Stellen sind sehr rar. Man sagt, dass etwa nur jeder zehnte Job überhaupt noch ausgeschrieben wird", erzählt die UN-Mitarbeiterin. Allein die Weltgesundheitsorganisation in Genf habe im vergangenen Jahr rund 300 Leute entlassen.

Trotzdem kann sie sich keine andere Arbeit vorstellen. "Die Flüchtlingsproblematik zum Beispiel ist kein nationales Problem, sondern ein internationales. Genau wie der Klimawandel oder die Armutsbekämpfung. Auf solche globalen Fragen kann es nur globale Antworten geben", sagt sie. Und so wird Meier auch den sechsten Umzug in Kauf nehmen.

Bürokratie gehört dazu

Auch Oli Brown aus England lernte die UN als eher weniger attraktiven Arbeitgeber kennen. "Jeder kleine Schritt ist unglaublich umständlich, Verträge abzuschließen dauert Monate, die ganze Organisation natürlich sehr bürokratisch. Da hilft oft nur Zynismus", sagt der 37-Jährige. Trotzdem arbeitet er gerne für die internationale Organisation.

Derzeit ist er für die UN-Umweltbehörde in Sierra Leone tätig. Dort hat er es vor allem mit bürokratischen Hindernissen zu tun. "Unser Geld kommt teilweise von der UN-Umweltbehörde aus Nairobi , wird verwaltet vom UN-Entwicklungsprogramm in Sierra Leone, erst dann kommt es bei mir an. Über die finanzierten Projekte muss ich Vorgesetzten auf drei Kontinenten berichten: in New York , Genf, Nairobi und der Hauptstadt Freetown. Diese komplexen Strukturen erschweren die Arbeit des einzelnen." 

Sein Job besteht vor allem darin, für den Abbau von Rohstoffen wie Öl, Gold, Diamanten oder Tropenholz Umweltstandards zu entwickeln. Die illegale Fischerei blüht: jedes Jahr bringt sie geschätzte 30 Millionen US-Dollar; die Agrarindustrie ist auf dem Vormarsch, Wälder werden abgeholzt. Sierra Leone gilt als eins der zehn ärmsten Länder der Welt. "Dieses Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt um 51 Prozent gewachsen – was vor allem auf die Geschäfte von zwei großen Minen zurückgeht", sagt der Brite.