Kuchen für alle zum Ausstand nach einer Kündigung? Wer aus Frust gekündigt hat, träumt meist eher von einer Racheaktion. So wie es beispielsweise der Manager Greg Smith gemacht hat. Nach fast zwölf Jahren bei der US-Investmentbank Goldman Sachs verabschiedete er sich am letzten Arbeitstag mit einem Hasspamphlet in der New York Times . In seiner Firma gehe es nur noch ums Geldverdienen, jede Unternehmenskultur sei perdu, beklagte Smith. "Es macht mich krank, wie kaltschnäuzig die Leute darüber reden, ihre Kunden abzuzocken." Die würden betriebsintern nur noch Muppets genannt . "Ehrlich gesagt ist das Umfeld ist heutzutage so vergiftet und zerstörerisch, wie ich es noch nie gesehen habe."

In der Kriegstaktik heißt das verbrannte Erde und ist geächtet: für den Gegner nichts zurücklassen, alle Brücken einreißen. Der Aktienkurs von Goldman Sachs rauschte nach dem Brief nach unten, angeblich kostete der Skandal das Geldhaus viel. Außerhalb der Firma wurde Greg Smith gefeiert. Die Abrechnung des Bankers fand weltweit mediale Beachtung.

Der Hype erinnert an Steven Slater . Der Flugbegleiter hatte 2010 in New York einen ähnlich spektakulären Abgang hingelegt. Von seinen Passagieren genervt schnappte sich Slater am Endes eines Flugs kurzerhand ein Bier aus der Bordküche und verließ das Flugzeug über die Notrutsche. "Wie viele aus dem Dienstleistungsbereich haben davon schon geträumt? Ich ständig!", kommentierte ein Leser des Magazins Time Slaters ungewöhnlichen Ausstand. Ein anderer zeigte Mitleid: "Schade, dass er nun seinen Job verliert. Dabei hat er doch nur das getan, was wir jeden Tag denken."

Der ätzende Abgang als Kamikaze-Aktion

Christoph Burger findet Typen wie Smith oder Slater nicht unsympathisch. In seinem neuen Buch Karriere ohne Schleimspur erklärt der 45-Jährige, wie beruflicher Erfolg möglich ist, ohne sich zu verbiegen. Fluchen, Weinen und andere Emotionen gebe es insgesamt zu selten im Berufsalltag. "Die Leute trauen sich zu wenig Gefühl zu", sagt der Psychologe.

Nach Ansicht von Burger war Horst Köhler mit seinem launigen Rücktritt als Bundespräsident eine Ausnahme. Köhler warf das Amt nach sechs Jahren als Staatsoberhaupt hin. Als Anlass nannte er später die "ungeheuerlichen Angriffe" der Medien nach seinem umstrittenen Interview zur deutschen Sicherheitspolitik.

Mit Investmentbanker Smith hat Köhler gemein, dass sich beide um ihr finanzielles Auskommen nicht sorgen müssen. Natürlich lässt sich ein spektakulärer Abgang leichter hinlegen, wenn man finanziell abgesichert ist. Für alle anderen ist die Taktik der verbrannten Erde wohl eher eine Kamikaze-Aktion.

Denn meist sprechen sich weniger glamouröse Kündigungen in der Branche herum. Die Chancen für eine Anstellung anderswo sinken. Welcher Arbeitgeber stellt schon gerne einen Mitarbeiter ein, der am Ende mit dem Betrieb öffentlich abrechnet und sogar Rufschädigung in Kauf nimmt? Da gilt eher der Karrierespruch Don't burn bridges (Reißen Sie keine Brücken ein). Mal davon abgesehen, dass es auch eine Frage des Anstands und Respekts gegenüber dem Arbeitgeber ist, den Job ohne große Anschuldigungen, Szenen oder Beleidigungsaktionen aufzugeben. Denn an einem Konflikt sind bekanntermaßen immer beide Seiten beteiligt.