Wie auf die Perlenkette aufgereiht fahren die sechs Motorradfahrer über den Hockenheimring, bremsen an derselben Stelle und geben dort Gas, wo es die Strecke erlaubt. Die Disziplin kommt nicht von ungefähr, denn sie alle folgen Christiane Potzner, die auf dem Motorrad vorausfährt. Potzner ist seit zwölf Jahren als Rennsport-Instruktorin tätig und gibt das Tempo für Motorradfans auf Rennstrecken vor. Sowohl erfahrene Rennfahrer als auch Biker, die erstmals Rennluft schnuppern möchten, gehören zu ihren Kunden.

Gut 20 Minuten dauert ein Turn, in der Regel fahren fünf bis sechs Teilnehmer mit. "Meine Aufgabe ist es, den Fahrern die schwierigen Stellen auf der Strecke zu zeigen und die Ideallinie beizubringen", sagt Potzner. Das ist die Fahrspur, in der alle Teilnehmer sicher über die Strecke kommen. Damit das klappt, sollen die Fahrer der Instruktorin möglichst nah in derselben Fahrspur folgen, die die Instruktorin vorfährt. Auf diese Weise sollen sie ein Gefühl für die Rennstrecke bekommen. Bremsübungen und das Schräglagenfahren stehen außerdem auf dem Programm. Wo wie weit in die Kurve legen? Wann wie stark bremsen? 

Nach jedem Turn bespricht die Einweiserin, was zuvor bereits praktisch geübt wurde. Welche Position müssen die Fahrer an welchem Punkt der Strecke auf dem Motorrad einnehmen? Wo sind die Einlenkpunkte? Ziel ist es stets, das Gefahrenpotenzial zu minimieren. Pro Tag fahren die Instruktoren sechs bis acht Turns, gefolgt von Theorieunterricht mit den Gruppen.

Rennsport-Instruktoren arbeiten meist nicht nur auf einer einzigen Strecke. Potzner beispielsweise ist für mehrere Anlagen in Europa tätig, darunter der Sachsen- und der Hockenheimring. Jede Strecke hat ihre Tücken. "Der Sachsenring etwa ist ein Kurs mit vielen blinden Kurven. Man sieht also nicht, wo man aus der Kurve herauskommt. Aber wenn man die Strecke gut kennt, dann hat man das im Kopf und kann entsprechend reagieren", sagt Potzner.

Um als Rennsport-Einweiser arbeiten zu können, ist viel Erfahrung nötig. "Man muss schon viele Rennen auf einer Strecke selbst gefahren sein", sagt Potzner. Die meisten sind deshalb auch ehemalige oder noch aktive Rennfahrer. Und ganz so wie Fahrlehrer auf gewöhnlichen Straßen benötigen auch Rennsport-Instruktoren technische Kenntnisse über die Maschinen, Fahrwerk, Motorentechnik und Reifen. Außerdem brauchen sie didaktische Kenntnisse und eine hohe Aufmerksamkeitsspanne.

Große Verantwortung für die Sicherheit

"Wir beobachten die Teilnehmer im Rückspiegel ganz genau, die Gruppe muss immer zusammenbleiben. Alles in allem tragen wir viel Verantwortung, die Fahrer müssen sich jederzeit auf die Fähigkeiten der Instruktoren verlassen können", sagt Potzner.

Eine Ausbildung zum Motorsport-Instruktor kann beim Deutschen Motor Sport Bund e.V. (DSMB) sowie beim Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) absolviert werden. Sie ist allerdings keine zwingende Voraussetzung. 

Viele Instruktoren gehen der Tätigkeit nebenberuflich nach, es gibt allerdings auch hauptberufliche Rennsport-Einweiser. Die sind in der Regel auf Strecken in ganz Europa aktiv. Potzner übt die Beschäftigung im Nebenjob aus. Sie ist übrigens eine der wenigen Frauen, denn der Frauenanteil liegt bei unter zehn Prozent. 

Ohne Risiko ist die Tätigkeit nicht. Wenn etwa ein Fahrer während eines Turn einen Fehler macht, kann es schnell für die ganze Gruppe gefährlich werden. Das Risiko steigt, je heterogener die Teilnehmer hinsichtlich ihrer Fahrerfahrung sind.

Potzner schätzt den Job dennoch. "Das Fahren an sich und die Atmosphäre auf der Rennstrecke sind einfach unbeschreiblich. Und schließlich tragen wir entscheidend dazu bei, dass während eines Rennens kein Unfall passiert."

  • Gehalt: variiert mit der Auftragslage;
  • Ausbildung: beim Deutschen Motor Sport Bund e.V. (DSMB) sowie beim Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR);
  • Arbeitszeit: variiert mit der Auftragslage und den Kundenwünschen