Wer im Herbst auf der Suche nach leckeren Speisepilzen wie Wiesenchampignons, Steinpilzen oder Pfifferlingen ist, der sollte schon wissen, welches Gewächs er ins Sammelkörbchen legen darf. Leicht kann etwa der beliebte Steinpilz mit dem ungenießbaren Gallenröhrling oder der Perlpilz gar mit dem sehr giftigen Pantherpilz verwechselt werden.

"Selbst erfahrene Pilzsammler sind sich mitunter nicht sicher, was da genau im Korb gelandet ist. Immerhin gibt es mehr als 8.000 Pilzarten in Deutschland", sagt Peter Karasch, Pilzsachverständiger von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V., kurz DGfM. Pilzsachverständige, im Volksmund auch oft Pilzberater genannt, haben es sich zur Aufgabe gemacht, über die wenig bekannten Pilze zu informieren. Neben der Beratung über die Verträglichkeit von Speisepilzen informieren die Berater in Vorträgen über Pilzkunde, sie leiten Exkursionen und leisten Aufklärungsarbeit über die Rolle der Pilze im Naturhaushalt und die ökologischen Zusammenhänge.

"Es geht nicht nur darum, ob man einen Pilz essen kann oder nicht. Pilze sind sehr wertvoll. Viele Menschen wissen zum Beispiel gar nicht, dass Pilze wie Pflanzen und Tiere in der Natur ein eigenes Organismenreich bilden", sagt Karasch.

Auch wenn beide Berufsbezeichnungen gerne in einen Topf geworfen werden, muss doch zwischen Pilzberatern und Pilzsachverständigen unterschieden werden: Die Berater informieren Sammler darüber, ob die in der Natur gefundenen  Pilze unbedenklich verzehrt werden dürfen. Die Sachverständigen haben ein noch tiefer gehendes Wissen. Sie werden bei Vergiftungen herangezogen, denn sie können anhand der Sporen die möglichen Pilzarten identifizieren. Für die richtige medizinische Behandlung ist ihr Wissen deshalb enorm wichtig. 

8.000 Pilzarten kennen

Eine Ausbildung zum Pilzberater oder Pilzsachverständigen (PSV) ist nicht zwingend vorgeschrieben, aber aufgrund der verantwortungsvollen Tätigkeit sinnvoll. Einige Bundesländer bieten entsprechende Aus- und Weiterbildungen an. Die Kurse dauern mindestens eine Woche. Auf dem Lehrplan steht das Wissen über die häufigsten Speise- und Giftpilze sowie die Ökologie der Pilze und die Wirkungsweisen der Pilzgifte. Alle über 8.000 Pilzarten können während der einwöchigen Ausbildung nicht gelernt werden – aber einige Hundert, die häufigsten nämlich, müssen die Experten kennen, damit sie die Prüfung bestehen. Umfangreiches Wissen wird schon vorher vorausgesetzt. Am Ende des Kurses gibt es eine theoretische und eine praktische Prüfung. Dabei müssen die angehenden Experten die verschiedenen Arten voneinander unterscheiden. Gar nicht so einfach. "Die Pilzfruchtkörper einer Art variieren vom Aussehen untereinander stark, abhängig vom Alter und den Witterungsbedingungen. Die Pilze klar zuzuordnen, ist mitunter eine Herausforderung", sagt Karasch.

Die bestandene Prüfung befähigt zur öffentlichen Beratung in Schulen, Verbänden und Pilzberatungsstellen über Essbarkeit und Giftwirkung. Hierzulande gibt es mehr als 500 Sachverständige. Sie müssen sich regelmäßig fortbilden – vorgeschrieben ist eine Weiterbildung mindestens alle fünf Jahre.

95 Prozent der Pilzberater üben die Tätigkeit ehrenamtlich aus. Etwa ein Dutzend sind bundesweit freiberuflich tätig, dazu kommen noch einige, die nebenberuflich als Pilzberater arbeiten.

Schattenseiten bringt die Tätigkeit für Karasch kaum mit sich. Lediglich die fehlende Lobby für dieses Thema bedauert er ein wenig. "Es ist schade, dass Pilze in der Bevölkerung und in der Politik außerhalb der Küche so wenig Beachtung finden. Dieses Wissensgebiet ist sehr abwechslungsreich, interessant und vielseitig. Immerhin gibt es doch sechs bis acht Mal mehr Pilz- als Pflanzenarten."

  • Gehalt: abhängig vom Beschäftigungsverhältnis;
  • Ausbildung: keine Ausbildung vorgeschrieben, aber eine Weiterbildung wird empfohlen;
  • Arbeitszeit: jahreszeitenabhängig