Hoch oben unter dem Gewölbe thront die Königin der Instrumente, ihr Sound erfüllt den ganzen Dom. Orgeln sind beeindruckende Bauwerke – wegen ihrer Größe und Klangfülle. Und nicht nur das Spielen, auch der Bauen dieser Instrumente erfordert Können. "Wir Orgelbauer müssen uns nicht nur mit dem Instrument, sondern auch mit Statik, Elektronik und Metallbau auskennen", sagt Thomas Jann. Er ist Orgelbaumeister und Vorsitzender des Bunds deutscher Orgelbaumeister e.V. (BDO e.V.).

Soll eine Kirche eine neue Orgel bekommen, wird erst einmal der Raum inspiziert. Wie ist die Akustik? An welcher Stelle soll sie stehen? Wie soll die Disposition aussehen – also das Mix der verschiedenen Klangfarben? Wie ist der Untergrund beschaffen? 

Das ist keine einfache Aufgabe, denn der Orgelbauer muss oft Vorgaben hinsichtlich Klang, Optik und des zur Verfügung stehenden Budgets berücksichtigen. Auf Basis der gesammelten Informationen konzipiert und plant er das Instrument. Eine Vielzahl technischer Zeichnungen entsteht. Denn Orgeln sind fast ausschließlich Einzelstücke –  viele Bauteile fertigt die Orgelbauwerkstatt deshalb individuell. 

Orgelbauer verwenden die unterschiedlichsten Hölzer und Metalle – denn nicht nur von den Maßen, auch vom Material hängt etwa der Klang einer Pfeife ab. "Außerdem verarbeiten wir Filz und Leder", sagt Jann. Wenn alle Teile hergestellt sind, montieren die Handwerker das Instrument zunächst in der Werkstatt – soweit es die Platzverhältnisse zulassen. Die Arbeit kann schweißtreibend sein, denn einzelne Komponenten wiegen bis zu mehreren Zentnern. Passen alle Teile zueinander, fährt der Transporter vor: Der endgültige Aufbau der Orgel erfolgt natürlich vor Ort. Nach der technischen Montage folgt dort die die Feinabstimmung des Klanges und das Stimmen der Orgel. Eine Arbeit, die je nach Anzahl der Pfeifenreihen mehrere Wochen dauert und die spezialisierte Orgelbauer – die Intonateure – ausführen. Ist der Auftraggeber eine Kirchengemeinde, gibt es oftmals auch ein Fest, wenn das Werk erstmals öffentlich erklingt – die Orgelweihe.

Wartung und Reparaturen machen den Großteil der Arbeit aus

Besonders häufig sind Neubauten von Orgeln nicht. Bei Jann sind es bis zu drei pro Jahr. Den Großteil seiner Arbeit machen Umbauten, Reparaturen, Wartungen, Reinigungen und Restaurierungen aus.

Wer als Orgelbauer arbeiten möchte, braucht technisches Verständnis, handwerkliches Geschick, ein gutes Gehör und musikalisches Talent. Wer Klavier spielen kann, hat ein paar Vorteile – aber zu Beginn der Ausbildung ist das kein unbedingtes Einstellungskriterium.

"Oft spezialisieren sich die Orgelbauer schon während der Ausbildung auf den handwerklichen oder den klanglichen Bereich", sagt Jann. Das hänge von den jeweiligen Fähigkeiten des Lehrlings ab. "In kleineren Unternehmen machen Mitarbeiter auch beides."

Der Beruf des Orgel- und Harmoniumbauers, so lautet die offizielle Berufsbezeichnung, ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Die Lehre dauert dreieinhalb Jahre. Im praktischen Teil der Ausbildung steht das Handwerkliche im Vordergrund. "Sägen, Hobeln, Stemmen: Die Azubis lernen die Holzbearbeitung von Grund auf", sagt Jann. Überhaupt dreht sich alles um die Werkstoffe, die für den Orgelbau verwendet werden, neben den verschiedensten Laub- und Nadelhölzern, Filz und Leder auch Zinn, Blei, Kupfer, Stahl, Messing, Papiere und Pappen, Leinen, Kunststoffe. Wie bearbeitet man die unterschiedlichen Hölzer? Wie werden die Metalle bearbeitet? Mit welcher Technik werden die Teile miteinander verbunden?