Was kann ich machen, wenn ein Mitarbeiter während seiner Arbeitsunfähigkeit ein genesungswidriges Verhalten an den Tag legt?, Timur Kleinschmidt.

Sehr geehrter Herr Kleinschmidt,

hohe Krankenstände bedeuten für Unternehmen und Mitarbeiter zusätzliche Überstunden und Stress sowie einen höheren Organisationsaufwand. Werden dann krankgeschriebene Kollegen scheinbar gesund beim Einkaufen, Sport oder gar Nebenjobs gesehen, ist der Unmut verständlicherweise groß.


Allerdings ist dieses Verhalten von dem krankgeschriebenen Mitarbeiter nicht grundsätzlich ein genesungswidriges Verhalten. Es kann dementsprechend nicht grundsätzlich immer vom Arbeitgeber geahndet werden. Denn auch Kranke brauchen Lebensmittel oder auch mal frische Luft. Bei manchen Erkrankungen ist auch Sport unbedenklich oder sogar ärztlich verordnet. Deshalb sollten Arbeitgeber immer vorsichtig mit solchen Behauptungen sein – vor allem auch, weil nicht jede Krankheit den Betroffenen ans Bett oder an die Wohnung fesselt.


Krankgeschriebene Mitarbeiter sollten jedoch generell darauf achten, dass sie sich stets so verhalten, dass sie schnell wieder gesund werden bzw. die Krankheit sich nicht durch ihr Verhalten verlängert. Erst wenn sie sich nicht daran halten, können Arbeitgeber eine Abmahnung oder gar eine Kündigung aussprechen.

Bevor Sie vorschnell ein vermeintliches Fehlverhalten Ihres Mitarbeiters mit einer fristlosen Kündigung ahnden, sollten Sie sich Ihrer Sache sicher sein. Nimmt ein krankgeschriebener Arbeitnehmer beispielsweise an einer Wallfahrt teil, und führt dieses Verhalten nicht zu einer Verlängerung der Erkrankung, ist nicht grundsätzlich eine Kündigung möglich. Geht ein Mitarbeiter während seiner Arbeitsunfähigkeit einem Nebenjob nach, und ist dieser auch noch intensiv und ansprengend, sieht die Sache anders aus. Dieser Pflichtverstoß des Mitarbeiters kann dann eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen.

Möchten Sie auf Nummer sicher gehen, sprechen Sie zunächst eine Abmahnung aus. So sind Sie für einen späteren Zeitpunkt auf der "sicheren Seite". Sogar dann, wenn der Mitarbeiter im Wiederholungsfall "nur" seinen Heilungsprozess gefährdet und nicht die Verlängerung der Krankheit provoziert.

Ihr Ulf Weigelt