Die rund 661.000 Beschäftigten in der Altenpflege reichen nicht aus, um allen Pflegebedürftigen hierzulande gerecht zu werden. Geschweige denn, um die zunehmende Zahl alter Menschen ausreichend zu versorgen. Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe will die Zahl der Ausbildenden bis 2015 um 30 Prozent erhöhen. Doch auch das reicht nicht. Der Beruf hat ein schlechtes Image. Miese Bezahlung für schwere körperliche und psychisch belastende Arbeit, ständiger Zeitdruck und geringes Ansehen machen den Beruf für junge Menschen unattraktiv. Dabei gibt es hier reihenweise Jobs. "Derzeit könnten in ganz Deutschland gut 14.000 Stellen in der Altenpflege sofort besetzt werden", sagt Christina Kaleve, Bundesvorsitzende des DBVA e.V..

Der Verband möchte für ein besseres Image des Berufes werben. Schließlich kümmern sich die Pflegekräfte nicht nur um die körperlichen Belange ihrer Patienten. Sie sollen auch den Alltag der hilfsbedürftigen Menschen mitgestalten und ihnen dabei helfen, die Selbständigkeit, im Idealfall auch Mobilität und Individualität zu erhalten.

Im Idealfall soll eine Pflegefachkraft in einem Heim nur für eine bestimmte Bewohnergruppe zuständig sein. Der Arbeitstag beginnt damit, einen Überblick über den Zustand der Patienten zu bekommen. Gab es besondere Vorkommnisse am Vortag oder in der Nacht?

Sofern die Körperpflege nicht mehr allein bewerkstelligt werden kann, helfen die Pflegkräfte dabei. Sie verabreichen Medikamente und bringen die Mahlzeiten aufs Zimmer oder begleiten den Pflegebedürftigen in den Essensraum. Die Mahlzeiten- und Medikamentenaufnahme wird zudem immer dokumentiert, damit ein gesundheitliches Ereignis schnell bemerkt und ein Arzt gerufen werden kann. Auch das Begutachten der Wohnräume sowie das Aufräumen, Betten machen und neu beziehen gehört zum Aufgabenfeld. Zudem stehen die Altenpfleger auch als Ansprechpartner für Angehörige bereit, überwachen die Teilnahme der Senioren an Aktivitäten und sollen die alten Menschen bei Spaziergängen begleiten. "Wir würden gern mehr Zeit mit den Senioren verbringen. Wegen der vielen unbesetzten Stellen lässt es der Zeitplan in der Realität leider oft nicht zu", sagt Kaleve.

Der Job ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Inhalte der Ausbildung sind vielfältig und anspruchsvoll. Neben der Pflege von Menschen eignen sich künftige Altenpfleger auch medizinische Fachkenntnisse an. Auf dem Lehrplan steht Physiologie, Anatomie und alles über Krankheitsentwicklungen. Außerdem müssen die Pflegekräfte die gängigen Arzneimittel kennen. Auch rechtliche Kenntnisse gehören zum Lehrstoff. Was ist bei der Pflegeversicherung zu beachten? Was muss man über Erbrecht wissen?

Wer die Ausbildung besteht, darf sich staatlich anerkannter Altenpfleger oder staatlich anerkannte Altenpflegerin nennen.

Quereinsteiger haben gute Chancen

Für die Ausgelernte gibt es verschiedene Weiterbildungsangebote. Man kann sich etwa zum Fachpfleger für Gerontopsychatrie fortbilden lassen. Wer eine Führungsposition anstrebt – etwa eine Pflegedienstleitung oder eine Heimleitung – kann sich entsprechend weiterbilden.

Für den Beruf ist allerdings nicht jeder geeignet. In kaum einem Job ist die Zahl der Berufswechsler so groß wie bei Altenpflegern. Viele steigen nach einigen Jahren im Beruf wieder aus. Andererseits gibt es auch kaum einen Beruf, in den so viele Menschen im mittleren Erwachsenenalter hineinwechseln. Das hat natürlich auch mit dem großen Bedarf an Pflegekräften zu tun: Auch Quereinsteiger jenseits der 30, 40 und sogar 50 sind als Azubis in der Pflege gefragt.

Beschönigen sollte man die Arbeitsbedingungen aber nicht: Der Job ist körperlich extrem anstrengend, daher muss die gesundheitliche Eignung gegeben sein. Angehende Altenpfleger müssen zudem geduldig und stressresistent sein und auf Menschen zugehen können.

Neben der körperlichen Belastung gehören auch die Schicht- und Wochenendarbeit zu den Schattenseiten des Berufes. Außerdem gehört zum Alltag, dass Patienten sterben. Der Umgang mit dem Tod ist insbesondere für sehr junge Menschen eine Herausforderung. "Wenn man einen Menschen über Jahre hinweg gepflegt hat und dieser dann verstirbt, kann das schon eine Belastung für die Psyche sein. Da muss man aufpassen, die Erlebnisse aus dem Beruf nicht mit ins Privatleben zu nehmen", sagt Kaleve.

Trotzdem sieht Kaleve viele positive Seiten an ihrem Beruf. Seit August 2010 gibt es einen Mindestlohn in der Branche, der die prekäre Bezahlung etwas verbessert. Die Jobchancen sind glänzend und werden es wohl auch bleiben. Die wirkliche Besonderheit des Berufes ist für Kaleve jedoch die Dankbarkeit, die sie von den Pflegebedürftigen erfährt. "Wir begleiten diese Menschen auf ihrem letzten Lebensweg. Und auch wenn ein Mensch sich vielleicht nicht mehr direkt mitteilen kann, so merkt man aber dennoch, wie dankbar einem dieser Mensch ist."

  • Gehalt: Einsteiger bekommen rund 2.100 Euro brutto plus Schicht- und Wochenendzulagen
  • Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche
  • Ausbildung: dreijährige staatlich anerkannte Ausbildung