"Ich bin sozusagen die Vorband vor dem Hauptact", sagt Christian Oberfuchshuber. Er ist einer der bekannten Anheizer im deutschen Fernsehen, ein sogenannter Warm-Upper. Sie sorgen vor Beginn einer Fernsehshow für Stimmung und erklären den Zuschauern, wann sie klatschen sollen. In der Regel haben die Anheizer 15 bis 20 Minuten Zeit, um die Leute auf Betriebstemperatur zu bringen. Mitunter müssen sie in dieser Zeit auch Aktionen einüben, bei denen die Zuschauer später in der Show einbezogen werden. Schließlich soll vor der Kamera alles klappen und auf keinen Fall darf das Publikum müde oder gelangweilt wirken.  

Oberfuchshuber heizt seit 1998 dem Publikum ein. Aktuell ist er unter anderem bei Germanys Next Topmodel. Aber wozu braucht es Anheizer denn?

In den ersten 30 Minuten trauten sich die Zuschauer oft nicht, so richtig aus sich rauszukommen, sagt der Aufwärmer. "Das kann man gut im Theater oder im Musical beobachten. Da traut sich das Publikum in den ersten Minuten oft nicht, zu applaudieren." Bei Fernsehshows ist das nicht erwünscht. "Die Zuschauer vor dem Fernseher wollen die perfekte Show sehen. Dazu gehört, dass das Studiopublikum voll mitzieht."

Oberfuchshubers Programm vor Beginn der eigentlichen Sendung ist deshalb eine Mischung aus Stand-up-Comedy und Informationen über den Ablauf der Sendung. Handelt es sich bei der Sendung nicht um eine Live-Ausstrahlung, so werden im Vorfeld, als Schnittmaterial für den späteren Zusammenschnitt der Sendung, auch noch einzelne Applausszenen aufgezeichnet. Ist das Publikum direkt an der Show beteiligt, muss es etwa aufstehen oder Schilder hochhalten, so wird das vorher geprobt.

Schlechte Chancen für Einsteiger

Mit Beginn der Sendung ist Oberfuchshubers Arbeitstag aber keinesfalls beendet. Auch in den Werbepausen ist der Warm-Upper aktiv und hält die Zuschauer bei Laune. Zusätzlich steht er während der Sendung für das Publikum gut sichtbar am Rand und klatscht an dramaturgisch wichtigen Stellen und gibt das Signal, in den Applaus einzusteigen. Auch das Ende von Einspielfilmen klatscht er an. "Ich bin der Erste, der die Zuschauer im Studio begrüßt und bin der Letzte der sagt: Tschüss, kommt gut nach Hause", sagt Oberfuchshuber.

Für seine Arbeit hat der Anheizer ein Grundrepertoire an Sprüchen und Witzen, die er, je nach Art der Show und Publikum, vorbringt. Ein Programm, wie es Comedians für ihre Bühnenvorstellungen ausarbeiten, hat er jedoch nicht. Eine Redaktion, die ihm reinredet, gibt es nicht. Oberfuchshuber darf allein über seine Gags entscheiden. Das ist nicht immer leicht – denn jedes Publikum reagiert anders. Improvisationstalent ist daher wichtig. Spontanität und Selbstsicherheit braucht es ebenfalls für den Job. Ausstrahlung, eine gute Rhetorik und jede Menge Humor sind außerdem wichtig. "Für diesen Job muss man die geborene Rampensau sein", sagt Oberfuchshuber.

Eine Ausbildung zum Warm-Upper gibt es nicht. Den Job erlernen könne man nur bedingt, sagt Oberfuchshuber. Es komme vor allem aufs Talent an. Moderations- und Rhetorikseminare seien jedoch hilfreich. Die meisten Kollegen bringen zudem Medienerfahrung etwa als Moderatoren oder Comedians mit. Vergütet werden die Einheizer mit einer Gage auf freiberuflicher Basis. Eine Festanstellung gibt es in diesem Job nicht.

Die Jobchancen sehen derzeit allerdings eher mau aus. "In den 1990ern wurde jeder, der einigermaßen geradeaus in ein Mikrofon sprechen konnte, als Warm-Upper genommen", sagt Oberfuchshuber. Heute teilen sich etwa acht bis neun Einheizer die ganze Fernsehlandschaft auf. Sie werden regelmäßig von den Produktionsfirmen gebucht. Entsprechend schlecht seien die Chancen, als Neuling Fuß zu fassen. "Die Produktionsfirmen wollen erfahrene Leute. Denn man trägt schon eine gewisse Verantwortung", sagt Oberfuchshuber. Klappe etwas bei einer Live-Show nicht, kann das schlimmstenfalls die Quoten negativ beeinflussen. "Da steht man auch unter Druck."

Nichtsdestotrotz liebt der Einheizer seinen Job. "Ich kann machen, was ich will, habe keine Vorgaben. Hauptsache, es ist lustig und das Publikum kommt in Fahrt. Wo hat man das sonst schon?"

  • Gehalt: abhängig von Art und Dauer des Auftritts;
  • Ausbildung: keine Ausbildung möglich;
  • Arbeitszeit: abhängig von der Dauer der Show.