Unser Vorgesetzter erwartet von seinen Führungskräften eine enorme Leistung. Er selbst hat jedoch große Defizite. Wie funktioniert eine erfolgreiche Zusammenarbeit – in alle Richtungen?, fragt Stefan Schäfer, Führungskraft bei einem Werkzeughersteller.

Sehr geehrter Herr Schäfer,

ist das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Führungskräften gestört, ist der Unternehmenserfolg gefährdet. Dabei ist es ganz einfach, produktive Beziehungen über die Hierarchien hinweg herzustellen. Eine klare Kommunikation ist die beste Grundlage dafür. Vorgesetzte sollten ihren Mitarbeitern und Führungskräften deutlich sagen, was sie von ihnen erwarten.  

Der amerikanische Manager und Autor Larry Bossidy, der sich mit Verhaltensweisen für langfristig Erfolge in der Zusammenarbeit beschäftigt hat, empfiehlt außerdem, eine klare Richtung vorzugeben.

Der Chef sollte klar benennen können, warum ein konkreter Weg eingeschlagen wird und welche Vorteile dieser hat – und das regelmäßig und nicht nur zum Jahresende oder -beginn. Dazu gehört auch, dass den Mitarbeitern deutlich wird, wie ihr Beitrag dazu aussehen kann. Jeder sollte die Zwischenziele und das Endziel kennen sowie wissen, welche individuellen Ziele er in welchem konkreten Zeitraum zu erfüllen hat. Entscheidet sich hier ein Vorgesetzter unerwartet und überträgt das Projekt an einen bestimmten Mitarbeiter, sollte er dem Team diese Entscheidung erklären können. Diese Transparenz sollte übrigens nicht nur bei Beförderungen gelten, sondern auch bei der Verteilung von Bonuszahlungen. Alles andere wirkt demoralisierend.

Auch kommt es auf regelmäßiges und faires Feedback an. Wer erst beim jährlichen Mitarbeitergespräch erfährt, wie seine Leistungen sind, kann nichts mehr ändern. Daher sollten Vorgesetzte konsequent, konkret und zeitnah Feedback geben. Dass sie dabei ehrlich sind, sollte selbstverständlich sein, denn nur ein der Realität entsprechendes Feedback bringt alle Beteiligten weiter.   

Chefs müssen verlässlich sein

Auch brauchen Führungskräfte Bossidy zufolge ein Gespür dafür, wann sie sich einbringen sollten. Viele Chefs machen den Fehler, dass sie nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wenn Mitarbeiter Fehler machen. Dafür haben sie aber kein Problem damit, die Lorbeeren für deren Erfolge einzukassieren. Damit zerstören sie aber nur das Vertrauen der Mitarbeiter. Besser ist es, sich vor das Team zu stellen. Auch sollten Führungskräfte Bossidy zufolge kein Problem damit haben, ihrem Team auch schlechte Nachrichten sofort mitzuteilen. Wenn getroffene Vereinbarungen nicht eingehalten werden, wichtige Personalentscheidungen anstehen oder eine Krisensituation entsteht, muss der Chef mitmischen und nicht zögern. 

Auch selektieren gute Vorgesetzte nicht, sondern haben ein offenes Ohr für alle im Team. Es ist eine wichtige Führungsaufgabe, alle Ideen zu prüfen und zu entscheiden, was sinnvoll und umsetzbar ist. Wer unkonventionelle Ideen von vornherein als "spinnert" abtut, fördert lediglich Frust bei den Mitarbeitern. Voraussetzung ist aber ein kooperatives Wesen. Auch hier schneidet so mancher Chef eher schlecht ab. Oft kommen ja Menschen in Führungspositionen, die sehr egoistisch sind und Erfolg nicht mit anderen teilen können. Solche Empfindlichkeiten sind in der Chefetage fehl am Platz. 

Bossidy empfiehlt außerdem, dass Chefs die Initiative ergreifen und dafür werben sollten, neue Projekte und Aufgaben zu übernehmen. Meist machen die Karriere, die sich über ihre Bereichsgrenzen hinaus engagieren. Auch bereiten schwierige Projekte und Aufgaben auf zukünftige Herausforderungen vor. Entsprechend wichtig ist es, sich und sein Team weiterzuentwickeln sowie stetig auf dem Laufenden zu sein. Wer nicht weiß, was in der Branche, bei Kunden oder auch im Unternehmen los ist, kann nicht auf veränderte Bedingungen reagieren. Dann besteht das Risiko, Probleme zu bekommen, die man hätte sehen können.

Entschlossenes und rechtzeitiges Handeln ist außerdem eine wichtige Führungskompetenz. Dazu gehört übrigens, auch mal um Hilfe von anderen zu bitten. Zu guter Letzt kommt es darauf, verfügbar zu sein. Dass man dabei häufiger mit schlechten Nachrichten konfrontiert wird als mit guten, liegt in der Natur der Sache.

Zugespitzt formuliert sollten Chefs die Erwartungen erfüllen. Natürlich kann dies nicht jeden Tag zu 100 Prozent funktionieren, Führungskräfte sind auch nur Menschen. Darum ist es sinnvoll, gemeinsam mit den Mitarbeitern Vereinbarungen zur Zusammenarbeit zu treffen und diese mit dem Vorgesetzten abzustimmen.

Ihre Sabine Hockling