Immer mehr Betriebe finden keine Lehrlinge mehr. Im Ausbildungsjahr 2012/2013 blieben 34.000 Lehrstellen unbesetzt, hat die Agentur für Arbeit erfasst. Wo sind die ganzen Schulabgänger? An der Uni. Die Anzahl der Studenten liegt seit dem Jahr 2009 über der der Azubis. 2,13 Millionen junge Menschen waren damals an den Unis eingeschrieben, aber nur 2,11 Millionen junge Erwachsene steckten in einer Berufsausbildung. In den Jahren davor hatte es immer mehr Auszubildende als Studierende gegeben.

2009 war die Differenz noch sehr knapp, aber seither ist sie jedes Jahr gewachsen. Das zeigt unsere Infografik, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE mit Daten des Statistischen Bundesamts erstellt hat. 2012 studierten über 2,5 Millionen junge Menschen an einer Hochschule, aber nur 1,98 Millionen hatten einen Ausbildungsvertrag.

Die zunehmende Akademisierung verändert den Arbeitsmarkt: Schon jetzt gibt es immer mehr Studiengänge für ehemalige Ausbildungsberufe – wie etwa in der Pflege. Und weil es immer mehr Akademiker gibt, stellen die Firmen vor allem die Hochqualifizierten ein. Für Fachkräfte mit einem geringeren Bildungsabschluss wird es schwieriger, eine Stelle zu finden. Die zunehmende Qualifizierung verändert auch das Lohnniveau insgesamt. Es sinkt leicht, weil immer mehr Akademiker Jobs von Fachkräften verrichten. Ein akademischer Abschluss ist Studien zufolge zwar immer noch der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit, aber auch keine Garantie mehr für ein sehr hohes Einkommen.

Noch ist die steigende Akademisierung vor allem bei Berufseinsteigern ein Problem. Gedämpft wird der Trend leicht durch den demografischen Wandel. Für Ungelernte und Hauptschüler wird es aber zunehmend schwer, eine angemessen bezahlte Arbeitsstelle zu finden.