Ohne die auffälligen Hut-Kreationen wäre das Pferderennen in Ascot nur halb so schön. Möglich machen es Modisten, die die kunstvollen Kreationen entwerfen und fertigen. Doch es muss nicht immer gleich eine bunte oder schrille Kopfbedeckung sein. Brautgestecke oder Fascinator zu Hochzeiten sowie Schiebermützen und Strohhüte im Alltag sind mittlerweile üblich.

Wer sich für den Beruf des Modisten entscheidet, sollte nicht nur ein Interesse für Modetrends mitbringen, sondern auch handwerkliches Geschick sowie Kreativität. Gefertigt werden die Kreationen in großen Fertigungsbetrieben, die beispielsweise Kaufhäuser beliefern, sowie in kleinen Betrieben.

So verschieden die Fertigungsstätten sind, so unterschiedlich ist im Regelfall auch der Arbeitsalltag, weiß die Modistenmeisterin Ulla Machalett von "Rotkäppchen designs." aus Hamburg. Während der Hutmacher in großen Betrieben in einer Fertigungsreihe sitzt und nicht mehr alle Handgriffe selbst macht, sondern den Hut für den nächsten Schritt weitergibt, macht er in kleinen Betrieben alles allein: von dem Formen des Materials bis zum Nähen und Dekorieren der Kreation. "Den einen Tag arbeite ich an Stoffmützen für Herren, den anderen Tag mache ich ein filigranes Brautgesteck für eine Kundin oder den Laden", beschreibt Machalett ihren abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

Die Tätigkeit eines Modisten ist in kleinen Betrieben aber nicht nur kreativer und vielfältiger. Der Modist ist dort in der Regel auch am Kunden dran, denn die meisten arbeiten nicht nur in eigenen Ateliers, sondern verkaufen ihre Kreationen auch in eigenen Läden. Und da hier zum Arbeitsalltag auch die Beratung gehört, muss ein Modist die Fähigkeit besitzen, das Passende für den Kunden herauszusuchen. Denn ob Hut, Fascinator, Brautgesteck oder Mütze – eine Kreation soll ja vor allem zum Kunden bzw. dem Gesicht passen.

Während es früher noch den Unterschied zwischen Hutmacher (der den Hut fertigt) und Modist (der den Hut dekoriert) gab, gibt es mittlerweile nur noch den Beruf des Modisten. In der dreijährigen dualen Ausbildung beschäftigen sich Auszubildende mit dem Entwerfen von Modellen, der Anfertigung von Schnittmustern für Hüte und Mützen, textiler Warenkunde sowie dem Fertigen von Kreationen. Dabei beginnen die Azubis in der Regel mit den ganz banalen ersten Schritten wie dem Einnähen von Innenbändern oder dem Formen von Blumen. Denn es gilt zunächst, die Fingerfertigkeit zu trainieren.

Stellen sind rar, die meisten machen sich selbständig

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind auch die Schattenseiten des Berufes, sagt Machalett. Denn es gibt nur wenige Anstellungsmöglichkeiten in Vollzeit. Und dort, wo es sie gibt, braucht es weniger Modistenmeister, sondern eher Näher, da die Produktion meist in einzelne Schritte aufgeteilt ist. Zwar werden Modisten auch für Theater- oder Filmproduktionen gebraucht, allerdings selten in Vollzeit.

Deshalb machen sich die meisten nach ihrer Ausbildung und der Gesellenprüfung nach zwei Jahren Berufserfahrung selbstständig. Machalett rät ihren Praktikanten und Auszubildenden daher, sich schon vor der Ausbildung darüber Gedanken zu machen, wie es später in etwa weitergeht. Der Schritt in die Selbstständigkeit muss auch nicht immer über einen eigenen Laden erfolgen. Viele Modisten verkaufen ihre Kreationen auch auf Ausstellungen, Märkten oder im Internet.

Und im Gegensatz zu früher hat der Beruf heute einen gravierenden Vorteil, denn es heißt nicht mehr "der verrückte Hutmacher". Der zweifelhafte Ruf kommt nicht nur vom durchgedrehten Hutmacher aus dem Märchen Alice im Wunderland. Tatsächlich wurde das Material im 18. Jahrhundert mit Quecksilbersalzen behandelt. Nicht wenige Hutmacher wurden aufgrund der Quecksilbervergiftung langsam "verrückt". Wenigstens dieser Gefahr müssen sich Modisten heute nicht mehr aussetzen.

  • Gehalt: Einstieg zwischen 1.250 bis 1.540 Euro brutto;
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden pro Woche;
  • Ausbildung: staatlich anerkannt, Dauer drei Jahre