Raffhalter, Flechtfransen, Tressen, Litzen oder handgewebte Bogen-Crepine: Wer diese Begriffe regelmäßig verwendet, ist entweder Inneneinrichtungsexperte mit Vorliebe für mondäne Raumgestaltungen oder gehört zur kleinen Berufsgruppe der Posamenteure, auch Posamentierer genannt.

"Wir haben uns mit anderen Textilberufen zusammengeschlossen, weil unsere Berufsgruppe mit bundesweit etwa 100 Aktiven zu klein ist", sagt Tobias Gattermann, Inhaber einer kleinen Manufaktur in München.

Die Berufsbezeichnung stammt vom französischen passement ab, was übersetzt "Borte" bedeutet. Borten gehören heute neben Quasten, Zierbändern, Kordeln und Spitzen zu den wichtigsten Produkten der Posamenteure. Die Dekoelemente dienen überwiegend als Schmuckbesatz für Vorhänge, Lampenschirme und Polstermöbel. Doch auch für extravagante Haute Couture-Kleidung und Accessoires wie etwa Anhänger für Handtaschen oder Handytaschen werden die feinen Verzierung verwendet. Auch Schnüre und Seile, etwa als Halter für Vorhänge oder für besonders hochwertige Absperrseile, stellen Posamenteure her.

Insbesondere in kleineren Betrieben finden sich in den Werkstätten deshalb sowohl Seil- als auch Flechtmaschinen, viele davon sind schon mehrere Hundert Jahre alt.   

"Hier wird noch sehr viel in Handarbeit hergestellt, Hightech-Maschinen gibt es hier nicht. Nicht selten kommen sich Kunden bei uns vor wie im Museum", sagt Gattermann. Kunden sind sowohl Privatpersonen als auch Inneneinrichter, Leiter von Museen oder Besitzer einer Burg oder eines Schlosses. Sie alle eint der hohe Anspruch an Qualität und Aussehen der Schmuckelemente. Sollen beispielsweise Quaste als Raffhalter für Vorhänge individuell nach den Vorstellungen eines Kunden hergestellt werden, so wird zunächst das Material in der Wunschfarbe ausgesucht.

"Wir haben ein Garnlager mit über 600 verschiedenen Farbtönen", sagt Gattermann.

Anschließend geht es an die Fertigung. Dazu wird der Quastenkörper, der vom Holzdrechsler geliefert wird, mit Seidenfäden und handgedrehten Schnüren verziert. Am unteren Teil des Quastenkopfes, Schuh genannt, werden die Fransen, am oberen Teil die Öse befestigt. Zu guter Letzt werden die Fransen auf die gleiche Länge geschnitten. "Was so einfach klingt, ist jedoch ein Prozess, der mehrere komplizierte Arbeitsschritte beinhaltet", sagt Gattermann.

Posamenteure müssen handwerkliches Geschick mitbringen, präzise arbeiten können und detailverliebt sein. Auch Fantasie und Kreativität ist wichtig für die Arbeit. Der Beruf gehört heute als eigenständige Fachrichtung zum Beruf des Textilgestalters im Handwerk. Die Ausbildung ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Eine Weiterbildung zum Meister ist mit einigen Jahren Berufserfahrung möglich.

Neben dem Unterrichtsfach Stilkunde, in dem die Azubis viel über die unterschiedlichen zeitliche Epochen und Stilrichtungen lernen, gehört auch Materialkunde zum Lehrstoff. Welche Materialien gibt es? Für welche Produkte werden sie angewendet?

Der Beruf ist unter jungen Menschen relativ unbekannt, die Zahl der Auszubildenden daher gering. Die wenigen Azubis sind zumeist weiblich. Aufgrund der Größe der Berufsgruppe sind die Jobchancen in der Branche überschaubar. "Bundesweit gibt es vielleicht ein Dutzend Manufakturen mit schätzungsweise etwa hundert Mitarbeitern", sagt Gattermann. Allerdings steige die Nachfrage in letzter Zeit wieder. Insbesondere das Interesse von Herstellern exklusiver Accessoires an den Produkten der Posamentierer mache sich positiv bemerkbar.

Neben den mäßigen Berufsaussichten kann Gattermann keine weiteren Schattenseiten an seinem Job ausmachen. "Wir arbeiten in einem abwechslungsreichen Handwerksberuf mit vielen unterschiedlichen Materialien wie etwa Wolle, Seide oder Baumwolle, die allesamt ihre ganz individuellen Eigenschaften haben. Außerdem bedienen wir eine sehr interessante Kundschaft, die dankbar und ein ums andere Mal überrascht ist, dass es so etwas überhaupt noch gibt."

  • Gehalt: Einstieg zwischen 1.100 und 1.350 Euro netto;
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden pro Woche;
  • Ausbildung: staatlich anerkannt, Dauer drei Jahre