Viele Arbeitnehmer arbeiten regelmäßig mehr als sie müssten – ohne dafür bezahlt zu werden. Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB leistet ein Sechstel der Angestellten in Deutschland immer wieder unbezahlte Überstunden. Ein Viertel gab demnach an, hin und wieder mehr zu arbeiten, um mit dem wachsenden Arbeitspensum fertig zu werden. Für die Studie wurden 5.800 Beschäftigte befragt. Besonders betroffen sind Angestellte, die im Bereich Erziehung und Unterricht arbeiten.

"Es ist nicht gut bestellt um die Arbeitsbedingungen in deutschen Betrieben", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Die Arbeitsintensität hat sich laut der Studie für fast zwei Drittel der Befragten im vergangenen Jahr noch weiter erhöht – nur 45 Prozent gehen davon aus, diese Belastung bis zum gesetzlichen Rentenalter durchhalten zu können.

"Dieser Zustand ist völlig unakzeptabel", sagte Buntenbach und forderte "eine wirkungsvolle Anti-Stress-Politik". Trotz der Erholung am Arbeitsmarkt hätten sich die Arbeitsbedingungen nicht automatisch verbessert. Der Druck sei weiter sehr hoch. Psychische Erkrankungen nähmen daher weiter zu, verursachten Kosten in Milliardenhöhe und seien inzwischen Hauptursache für Erwerbsminderungsrenten.

Der Kampf gegen "Prekarisierung" und "Armutslöhne" müsse weitergehen, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske. Überstunden zum Nulltarif kämen "faktisch einer Lohnsenkung gleich", mit denen die Betroffenen ihre Arbeitgeber freiwillig subventionierten.

Aus Sicht der Arbeitgeber zeichnet die DGB-Studie "ein verzerrtes Bild der Arbeitsbedingungen in Deutschland".