ZEIT ONLINE: Frau Oehle, Sie sind erst 24 Jahre alt und schon Unternehmerin. Werden Sie von Geschäftspartnern ernst genommen?

Freya Oehle: Weil ich und mein Geschäftspartner noch jung sind, wird uns sogar mehr Kompetenz im Netz unterstellt. Nur bei den Finanzgeschäften wurden wir anfangs – insbesondere von älteren Herren – belächelt. Ich denke, gerade als junge Frau ist starkes und kompetentes Auftreten wichtig.

ZEIT ONLINE: Sie haben gemeinsam mit einem Schulfreund die Plattform spottster.com gegründet. Was genau ist das?

Oehle: Sie gucken sich in einem Shop um und sehen zum Beispiel eine tolle Handtasche, die Sie kaufen möchten. Im Moment ist sie aber noch zu teuer. Dann drücken Sie im Shop einfach auf unseren Knopf im Browser. Wir speichern dann das Ganze und verfolgen die Tasche. Wenn sie günstiger wird, sagen wir Bescheid. Und Sie haben gleichzeitig einen digitalen Einkaufszettel mit Bild und Preis.

ZEIT ONLINE: Kaufen Sie selbst viel online ein?

Oehle: Ehrlich gesagt bin ich überhaupt kein Konsummensch. Ich gehe rational an Käufe heran. Brauche ich etwas, dann kommt es mir auf das Preis-Leistungsverhältnis an. So bin ich auch auf die Geschäftsidee gekommen.

 ZEIT ONLINE: Wie schwierig war der Weg zum eigenen Unternehmen?

Oehle: Nicht einfach. Es war viel Klinkenputzen. Wir mussten Shops finden, die mit uns zusammenarbeiten. Wir mussten die Plattform programmieren. Wir mussten Investoren finden.

ZEIT ONLINE: Sie sagen, Frauen als Gründerinnen hätten es schwerer als Männer.

Oehle: Ja, zumindest meinen skurrilen Erfahrungen nach.

ZEIT ONLINE: Erzählen Sie.

Oehle: Bei einer vorher vereinbarten Präsentation unserer Idee etwa standen die alteingesessenen Unternehmer völlig verdutzt vor mir und sagten: "Sie sind ja eine Frau". Ich wurde auch einige Male gefragt, ob ich mir meinen Mitgründer als Quotenmann angeschafft hätte, weil Männer einfacher an Gründungskapital kommen würden.

 ZEIT ONLINE: Stimmt das denn?

Oehle: Wahrscheinlich gibt es eine Grundskepsis gegenüber Frauen, aber wenn man zeigt, dass man was kann, wird man auch ernst genommen.