Ich leite eine sehr große Abteilung. Daher kann ich nicht alle Mitarbeiter im Blick haben. Seit geraumer Zeit beklagen sich einige Mitarbeiter über Kollegen, die sich immer wieder vor ungeliebten Aufgaben und zusätzlicher Arbeit drücken. Was kann ich als Abteilungsleiter dagegen tun?, fragt Carsten Deckert, Führungskraft bei einem Finanzdienstleister.

Sehr geehrter Herr Deckert,

Was Sie beschreiben, ist ein bekanntes Phänomen: Wenn Teams eine gewisse Größe annehmen, sinkt kurioserweise die individuelle Arbeitsleistung. Schon Ende der siebziger Jahre prägten die amerikanischen Psychologen Bibb Latané, Kipling Williams und Stephen Harkins für dieses den Begriff social loafing.

Michael W. Busch vom Institut für Unternehmensführung der TU Braunschweig hat sich diesen Effekt genauer angesehen. Er hat verschiedene  Mitarbeitertypen von Faulenzern ausgemacht: Da gibt es die Zuspätkommer und Zufrühgeher: Diese Kollegen nehmen es mit ihren Arbeitszeiten nicht so genau, sind dabei aber stets entgegenkommend. Sie sollten als Chef an das Verantwortungsgefühl dieser Kollegen appellieren. Joviale Müßiggänger dagegen geben sich immer als guter Kumpel aus, spinnen fleißig an ihren Netzwerken, kommen deshalb aber kaum zum Arbeiten. Bei diesen Kollegen sollten Sie den Mitteilungsdrang bremsen.

Ein dritter Typus sind die operativen Hektiker: Sie sind entweder unorganisiert und verzetteln sich ständig oder sie geben sich als Simulant, der sich bewusst emsig gibt. Die Schwierigkeit bei diesem Typ besteht darin, ihn überhaupt erst einmal zu enttarnen. Solche Arbeitnehmer steuern Sie am besten mit konkreten Zielvereinbarungen. 


Typ vier sind die phlegmatischen Bremser: Diese Kollegen strengen sich nicht nur nicht an, sie versuchen gar, ihre Kollegen auf ihr Schneckentempo zu drosseln. In der Regel sind die phlegmatischen Bremser sehr erfahrene Kollegen, die mittlerweile aber resigniert haben.
Diesen Typus sollten Führungskräfte im Blick behalten, damit sie mit Verbündeten keine Koalition bilden können.

Dann gibt es noch die Schnorrer: Diese Mitarbeiter nutzen die Gutmütigkeit ihrer Kollegen aus, indem sie sich anbiedern oder auf die Mitleidstour machen. Hier ist leider weniger der Chef gefragt. Vielmehr müssen die Kollegen sich selbst schützen und Nein sagen (lernen) oder aber Gegenleistungen vom Schnorrer einfordern. Hilft alles nichts, müssen die Schnorrer am Ende die Abteilung verlassen.

Außerdem hat Busch noch die blendenden Abstauber ausgemacht. Diese Kollegen sind Verkaufstalente in eigener Sache. Sie schmücken sich gern mit fremden Federn, setzen auf Täuschungsmanöver und nutzen im Zweifel ihren beruflichen Status aus. Am besten versuchen Führungskräfte diesen Mitarbeitern ihre Verfehlungen anhand konkreter Beispiele aufzuzeigen.

Bleiben noch die Alphatiere. Diese Mitarbeiter haben eine Entourage und lassen diese für sich arbeiten. Sie verfügen nicht nur über ein hohes Selbstwertgefühl und eine dominante Art, sie ziehen auch im Hintergrund die Strippen. Alphatiere sind keine Teamplayer und haben dementsprechend auch nichts in Teams zu suchen, sorgen sie doch am Ende nur für Ärger. Außerdem funktionieren Gruppen, die nur aus Alphatieren bestehen, nicht.

Schließlich gibt es noch die böswilligen Blutsauger: Diese Kollegen treten zum Glück relativ selten auf. Sie kennen nicht nur die Schwachpunkte ihrer Kollegen, sie nutzen die auch skrupellos aus. Für Führungskräfte stellen solche Mitarbeiter ein großes Problem dar, denn sie sind aufgrund ihrer manipulativen und blendenden Art schwer ausfindig zu machen. Solche Mitarbeitertypen haben grundsätzlich nichts im Unternehmen zu suchen. Wer sie erkennt, sollte diesen Verstellungsprofis nicht die Grenzen aufzeigen, sondern sie zum Verlassen des Unternehmens bewegen.

Egal, wie aufmerksam und bewusst Führungskräfte Teams bilden, es gibt keine Garantie für das Zusammenstellen einer funktionieren Gruppe von Mitarbeitern. Eine Möglichkeit, das Risiko zu minimieren, ist das Bilden von kleineren Teams mit gleich starken Mitarbeitern. Dabei ist es aber wichtig, dass Führungskräfte nicht nur die Aufgabenverteilung im Griff haben, sondern auch auf die gleichmäßige Verteilung der Belastung in der Gruppe achten. So haben Faulenzer keine Chance.

Ihre Sabine Hockling