Die Adresse Marienplatz 2 in München ist gut gewählt. "Wir brauchen keine Anfahrtsbeschreibung auf unserer Website", sagt Kerstin Dübner-Gee, Geschäftsführerin der Initiative Return to Bavaria. Denn den Marienplatz finden auch Ortsfremde. Um die geht es der Initiative aber gar nicht – das Projekt soll bayerische Fachkräfte zurück nach Hause holen.

Vor knapp zwei Jahren gründete der damalige bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) das Beratungsbüro in der Landeshauptstadt. Bayerische Firmen hatten sich nämlich bei Zeil beschwert, dass ihnen die Fachkräfte fehlen.

Die Studie Arbeitslandschaft 2030 des Unternehmerverbands Verein bayerische Wirtschaft (vbw) lieferte die passenden Zahlen dazu. Dort ist zu lesen, dass bereits 2015 drei Millionen Fachkräfte in Deutschland fehlen, allein in Bayern sollen 520.000 Positionen frei bleiben. Diese Situation spitzt sich weiter zu und 2030 fehlen laut Prognose 1,1 Millionen Experten auf dem bayerischen Arbeitsmarkt.

Das Büro von Return to Bavaria mitten in München bildet die Schaltzentrale des neuen Netzwerks, das weltweit deutsche Fachkräfte nach Bayern locken möchte. Kerstin Dübner-Gee und ihre Kollegin Gerlinde Baumer beraten telefonisch, per E-Mail und Skype Rückkehrwillige, außerdem reisen sie viel und stellen das Programm in sieben ausgewählten Zielländern vor. 

Viele Expatriates wollen nicht ganz auswandern

In den vergangenen Monaten organisierten sie in Kanada, Australien, den Vereinigten Staaten, Norwegen, Großbritannien, Österreich und der Schweiz bayerische Abende. Meistens werden Brezn und Weißwürste serviert und dabei über die guten Aussichten am hiesigen Arbeitsmarkt geplaudert.

Ist das nötig? "In Zürich kamen 100 Interessierte zu unserem Vortrag und 20 Medienleute", erinnert sich Dübner-Gee und fügt hinzu: "Die bayerischen Abende stoßen auf großes Interesse." In die Diskussion über unerwünschte Deutsche in der Schweiz mischt sich die Beraterin allerdings nicht ein.

Doch selten treiben Rückkehrwillige Ressentiments oder Arbeitslosigkeit im Ausland wieder zurück nach Deutschland. Es sind überwiegend private Gründe, die die meisten erfolgreichen Expatriates die Koffer packen lässt. "Manche haben einfach Heimweh oder möchten, dass die eigenen Kinder in Deutschland aufwachsen. Manchmal sind auch die pflegebedürftigen Eltern der Grund", fasst Dübner-Gee viele Gespräche zusammen. In der Datenbank von Return to Bavaria haben die Beraterinnen mittlerweile Adressen von mehr als 800 qualifizierten Interessenten gespeichert, die große Mehrheit verfügt über einen Universitätsabschluss, viele bringen neben der Auslandserfahrung auch eine Promotion mit.

Auch die Lebensmittelwissenschaftlerin Alberta B.* wandte sich an Dübner-Gee. Im März 2008 zog sie während ihrer Diplomarbeit nach Kanada um, denn der betreuende Professor hatte einen Ruf dorthin erhalten. Anschließend promovierte sie dort und arbeitet inzwischen seit einigen Jahren im Westen Kanadas. Was als Abenteuer einer neugierigen und reiselustigen Studentin begann, entwickelte sich zu einer interessanten Berufsperspektive. Doch nach fünf Jahren plagt auch Alberta B. das Heimweh. "Ich wollte nie ganz auswandern", sagt sie, obwohl sie gute Chancen hätte, einen kanadischen Pass zu bekommen. Da sie beruflich sowieso darüber nachdachte,  etwas Neues zu wagen, fiel ihr die Entscheidung nicht schwer. "Ich arbeite für eine kleine Firma, die Arbeit macht mir Spaß, doch hier gibt es keine Karriereoption für mich. Entweder ich suche mir hier einen neuen Job oder ich gehe zurück nach Deutschland", sagt sie. Durch Zufall erfuhr sie von Return to Bavaria und nahm Kontakt auf.