Auf und davon: Gut drei Jahre ist es her, als Wolfgang Mursa um seine Maxima bangen musste. Seine Maxima, das ist nicht etwa eine Prinzessin aus den Niederlanden, sondern eine Weißkopfseeadler-Dame mit einer Spannweite von über 2,30 Metern. Mursa arbeitet als Falkner, einer von ganz wenigen hauptberuflichen hierzulande. 

Auf einer seiner Flugschauen habe seine Maxima seinerzeit der Freiheitsdrang gepackt. "Vielleicht hat sie sich auch vor etwas erschreckt. Gott sei Dank passiert so etwas nur sehr selten und ich konnte Maxima nach zwei Tagen wieder einfangen", sagt er.

Falkner züchten, pflegen und richten Greifvögel für die Jagd auf andere Vögel und Wildtiere ab. Zu den Hauptaufgaben gehören neben der Jagd die Zucht, Pflege, Fütterung und Ausbildung der Tiere, das Sauberhalten der Volieren sowie das Organisieren und Abhalten von Flugschauen. Insbesondere während der Schonzeiten von Februar bis Oktober können Zuschauer die Greifvögel bestaunen. Dann kann man direkt in Kontakt mit den Tieren kommen.

"Viele Menschen wissen kaum etwas über Greifvögel. Wir Falkner informieren über diese einzigartigen Tiere. Das ist schon eine Form von aktivem und sehr bürgernahem Naturschutz", sagt Mursa. Falkner züchten und halten vor allem Wander- oder Lannerfalken, aber auch Habichte, Rotschwanz- und Wüstenbussarde sowie Steinadler.

Und was fressen die Tiere? Zu den bevorzugten Beutetieren gehören beispielsweise Tauben, Rebhühner, Enten, Hasen, Kaninchen und sogar Rehe.

Bevor die Vögel allerdings für die Beizjagd – so wird die Jagd mit Greifvögeln genannt –eingesetzt werden können, bedarf eines intensiven Trainings.

Mit einer Beuteattrappe, Federspiel genannt, die an einer etwa zwei Meter langen Leine befestigt ist, wird der Vogel trainiert. Das Federspiel besteht aus einem festen Lederkissen, an dessen Seiten Vogelflügel und am Kopfende ein Stück Fleisch befestigt sind. Der Falkner kreist es wie ein Lasso über dem Kopf. Für den Vogel stellt es eine Beute dar. Instinktiv greift er es an. Auf diese Weise wird das Tier gezähmt und natürlich auch belohnt. Und weil die Attrappe an einem Seil befestigt ist, kann damit auch die Rückkehr des Vogels trainiert werden.

Reich wird man in diesem Beruf nicht

Und wo werden Greifvögel zur Jagd eingesetzt? Überall dort, wo keine Schusswaffen erlaubt sind. Zum Beispiel auf Flughäfen, die aus Sicherheitsgründen frei von Vögeln sein müssen. "Aber wir werden auch zur Jagd in Innenstädten, in Parkanlagen, auf Friedhöfen, großen Hafen- oder auf Bahnanlagen und in Wohngebieten eingesetzt", sagt Mursa.

Die Falknerei stellt kein geschütztes Berufsbild dar. Auch eine klassische Ausbildung zum Falkner gibt es nicht. Als Voraussetzung muss ein Jagdschein vorhanden sein, außerdem muss die Falknerprüfung abgelegt werden. Dann dürfen Greifvögel gehalten werden und die Falknerei privat oder gewerblich ausgeübt werden.

Etwa 2.000 aktive Falkner gibt es bundesweit, nur wenige verdienen hauptberuflich mit dieser Tätigkeit ihren Lebensunterhalt. Viele davon sind Einzelunternehmer, nur wenige fest angestellt. Die Ausübung als hauptberufliche Aktivität bedeutet viel Arbeit, auch an den Wochenenden. Als wirkliche Schattenseite würde Mursa dies jedoch nicht bezeichnen.

"Reich wird man in der Regel nicht", sagt der Falkner. Dennoch entschädige die enge Zusammenarbeit mit den Tieren für die Mühen. "Die Falknerei ist eine Berufung und wichtig für die Erhaltung einiger Tierarten. Denn viele Greifvögel sind bedroht und die Zucht sorgt für aktiven Artenschutz."

  • Ausbildung: Eine klassische Ausbildung zum Falkner gibt es nicht. Der Jagdschein muss vorhanden sein, außerdem muss die Falknerprüfung abgelegt werden.
  • Verdienst: keine Angaben;
  • Arbeitszeit: variiert stark und ist abhängig von Art und Umfang der Ausübung der Falknerei.