Nur noch kurz kontrollieren, ob die Fracht nach den Bestimmungen des Flugzeugherstellers ordnungsgemäß verstaut wurde, dann gibt Lothar Kükelhahn das Go. Die Maschine, eine Boeing 737-800, darf auf das Rollfeld.

Kükelhahn arbeitet mit etwa 25 weiteren Teamkollegen als Ramp Agent auf dem Flughafen Bremen. Er ist Ansprechpartner für die Cockpitbesatzung und die Kabinencrew. Auch ist er Schnittstelle zwischen der Einsatzzentrale des Flughafens und dem Gate- sowie Technikpersonal.

"Als Ramp Agent koordiniere ich alle Aufgaben, die während der Vorbereitungen auf den nächsten Start auf dem Vorfeld des Flughafens vorgenommen werden müssen", sagt Kükelhahn. Neben dem Be- und Entladen von Fracht und Gepäckstücken, der Versorgung mit Lebensmitteln und sonstigen Gütern, die während des Fluges benötigt werden, koordinieren und überwachen Ramp Agents auch die Reinigung des Flugzeugs sowie das Betanken mit Kerosin. Zusätzlich informieren sie Cockpit- und Kabinencrew über den anstehenden Flug und geben Änderungen im Ablaufplan bekannt. Auch das Boarding der Passagiere wird von den Ramp Agents eingeleitet und überwacht.

"Ich bin im Prinzip der Ansprechpartner und Koordinator für alles, was abläuft, wenn ein Flugzeug am Boden ist", fasst Kükelhahn zusammen.

Langweilig werde der Job nie. Denn jede Flugvorbereitung sei anders, sagt Kükelhahn. Mal reisen VIPs mit, mal haben Passagiere besondere Wünsche, mal gibt es eine bemerkenswerte Fracht an Bord. "Und jeder Flugzeugtyp ist von der Struktur anders aufgebaut. Je nach Typ gelten unterschiedliche Sicherheitsbestimmungen beim Beladen", sagt der Ramp Agent.

Der Arbeitstag beginnt morgens früh um 5 Uhr. Die Mitarbeiter bekommen ein Flugzeug zugewiesen und bereiten die Ladeplanung vor. Dazu arbeiten sie eine Checkliste ab. Muss das Flugzeug betankt werden? Kommen spezielle Gäste an Bord? Sind Tiere ein Teil der Ladung?

Nicht zu verwechseln ist die Arbeit als Ramp Agents mit dem Beruf des Lademeisters. Sie sind nur für Fracht und Gepäck zuständig, Ramp Agents überwachen aber alle Vorgänge während der Vorbereitung auf den Start eines Flugzeugs.

Langweilig wird es selten

Für die Arbeit sind gute Englischkenntnisse, Teamfähigkeit, mentale und körperliche Belastbarkeit, ein ausgeprägtes Organisationstalent sowie Stressresistenz notwendig. Allerdings handelt es sich bei dieser Tätigkeit um keinen geschützten Beruf. Ausgebildet werden angehende Ramp Agents im Rahmen eines innerbetrieblichen Aufbaulehrgangs.

Bestimmte Voraussetzungen für die Ausbildung gibt es nicht. Einige haben zuvor eine Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann oder zur Luftverkehrskauffrau absolviert, aber es gibt auch viele Quereinsteiger.

Innerhalb der Ausbildung werden unter anderem die für die Arbeit wichtigen Fachbegriffe gelehrt. Zudem müssen die Ramp Agents in spe die Abläufe auf einem Flughafen kennenlernen, die einzelnen Flugzeugtypen zuordnen können sowie die bei der Abfertigung eingesetzte Technik kennen. Nach den mehrwöchigen Lehrgängen muss die theoretische und praktische Prüfung abgelegt werden. "Die Prüfung ist vergleichbar mit der Gesellenprüfung in anderen Berufen. Beim Wechsel auf einen anderen Flughafen müssen lediglich die jeweiligen Besonderheiten des Flughafens in einer kleinen internen Schulung erlernt werden", sagt Kükelhahn.

Schattenseiten hat er an seinem Beruf bisher nicht ausmachen können. Schichtarbeit, insbesondere auf größeren Flughäfen sowie mitunter stressige Situationen, etwa bei unplanmäßigen Begebenheiten, seien zwar mitunter belastend, gehörten jedoch dazu.

Für Kükelhahn ist der Beruf sehr reizvoll. "Ich trage eine hohe Verantwortung und habe viel mit Menschen zu tun."

  • Gehalt: Zwischen 1.800 und 2.800 Euro brutto, abhängig vom Bundesland sowie den Berufsjahren
  • Arbeitszeit: Etwa 40 Stunden in der Woche
  • Ausbildung: Innerbetriebliche Ausbildung, Dauer zwischen zwei und drei Monaten